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Lahm will Kapitänsbinde nicht abgeben - Streit mit Ballack

Dienstag, 06.07.2010, 08:07 Uhr

Pretoria - Loyalität sieht anders aus. Vor der WM brauchte die deutsche Nationalmannschaft einen neuen Kapitän, weil Michael Ballack wegen einer Verletzung ausfiel. Die Wahl fiel auf Philipp Lahm , der durch sportliche Leistungen glänzte und auch neben dem Spielfeld eine gute Figur abgab. Das alles hat sich seit Montagabend geändert. Lahm erklärte in einem Interview, dass er nicht beabsichtige, seine Kapitänsbinde nach dem Turnier freiwillig wieder abzugeben.

Auf die Frage, ob die Mannschaft Michael Ballack überhaupt noch brauche, sagte der amtierende Kapitän zweideutig: „Es steht mir nicht zu, dass ich bei dieser Frage Ja oder Nein sage.“ Das hat Ballack offensichtlich so erzürnt, dass er gestern spontan nach Hause flog. Offiziell, so Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, weil er in Südafrika nicht die richtigen Geräte für seine Reha-Maßnahmen vorfinde.

Das alles dürfte allerdings vorher bekannt gewesen sein. Also liegt der Verdacht nahe, dass sich Ballack von der Lahm-Äußerung brüskiert fühlte. Und das wiederum hat zur Folge, dass vor dem wichtigen Halbfinale gegen Spanien am morgigen Mittwoch unnötig ein Fass aufgemacht wurde, das der Konzentration auf die sportliche Aufgabe nur schaden kann.

Es war schon länger ein Thema, wie das DFB-Team eine Ballack-Rückkehr aufnehmen würde. Hier in Südafrika hat sich eine Mannschaft zusammengefunden, wie sie der deutsche Fußball seit langem nicht mehr aufgeboten hat. Teamgeist wurde groß geschrieben, einzelne Akteure schwangen sich zu großen Leistungen auf. Namentlich Bastian Schweinsteiger ist auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld zu einer Führungsfigur gewachsen, wie sie sich ein Bundestrainer nur wünschen kann. Gerade für Schweinsteiger würde eine Ballack-Rückkehr den Schritt zurück ins zweite Glied bedeuten. Nachvollziehbar, dass auch ihm diese neue Entwicklung in die Karten spielt.

Für den Bundestrainer waren Fragen nach Ballack und dessen Integration nach dem Turnier immer lästig. Er antwortete nach dem Argentinien-Spiel: „Wir mussten die Aufgaben neu verteilen. Das ist uns in diesem Turnier gelungen.“ Es war offensichtlich, dass sich Löw lieber mit den amtierenden Nationalspielern beschäftigt, als über einen Kapitän im Wartestand zu schwadronieren.

Wenn die DFB-Pressestelle die gestrige Aussage Lahms autorisiert hat, ist das Kalkül. Denn der DFB hat sich bislang jedes Interview vorlegen lassen, um es auf den geringst möglichen kritischen Hintergrund zu reduzieren. Warum also gestern die Freigabe dieses Gesprächs, das unnötig für Unruhe sorgt?

Darauf gibt es nur zwei Antworten. Entweder handelte Lahm im Auftrag des Bundestrainers, der sich eine Integration von Ballack nach dem Turnier nur sehr schwer vorstellen kann. Oder aber Lahm ist ein Mensch, dem Solidarität und Loyalität Fremdworte sind. Beides spricht weder für Lahm noch für ein gesundes Verhältnis zwischen Ballack und der Nationalelf. Aber hätte das nicht bis nach dem Turnier Zeit gehabt?

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