Finalrunde
Maradona hat alles im Griff

Freitag, 02.07.2010, 09:07 Uhr

Pretoria - Das argentinische Team residiert in Südafrikas Hauptstadt. Ausgesprochen vornehm, so heißt es von Kennern, die mal ins Hotel schauen durften. Aber solche Momente bleiben die Ausnahme, denn die Südamerikaner wollen ungestört leben. Ihr Training und die Medienarbeit verrichten sie auf dem Gelände der Universität von Pretoria, die Bedingungen sind erstklassig.

Am späten Mittwochnachmittag ist Medientag. Um 16 Uhr Training, anschließend Pressekonferenz. Als wir pünktlich ankommen, erfahren wir nur, dass vor 17 Uhr gar nichts geht. Wir warten. Die Schar der Journalisten wird immer größer. Kamerateams ohne Ende rücken an, dazu viele Fotografen. Letztlich hat sich ein Pulk von rund 500 Leuten gebildet, der um 17 Uhr auf das Uni-Gelände darf. Vor dem Trainingsplatz der nächste Stopp. Ein großer Zaun als unüberwindbares Hindernis, blickdicht mit grünem Stoff verhängt. Viele Sicherheitsleute achten auf Ordnung, ein großes Absperrgitter sorgt für Disziplin beim Schlangestehen. Dann geht es rein, auf die Tribüne. Auf dem Platz tummelt sich das Team, macht ein kleines Spielchen unter der Leitung von Cheftrainer Diego Maradona . Der kleine Mann mit dem lauten Mundwerk ist bis oben auf den letzten Rang zu hören. Er kritisiert, lobt, feuert an, korrigiert, schimpft und lacht sich kaputt. Sein Aktionsradius als Referee ist nicht übermäßig groß, aber er hat alles im Griff. Nach dem Abpfiff (das Team mit Messi hat gewonnen) kommt es zum Shoot-Out von der Strafraumgrenze. Die Verlierer müssen sich ins Tor stellen, einer neben dem anderen auf der Torlinie. Tevez versteckt sich hinter dem Pfosten, Heinze will sich drücken. Aber Maradona merkt das, tritt ihm aus Spaß ins verlängerte Rückgrat und beordert ihn ins Tor. Die Gewinner stehen an der 16-m-Linie. Und auf Pfiff von Maradona jagt jeder Schütze seinen Ball auf die unglücklichen Kollegen im Kasten. Ein Mordsspaß - vor allem für Maradona.

Dann ist Schluss, so scheint es. Die Spieler trinken etwas, ziehen sich die Trainingsanzüge an und verlassen nacheinander den Platz. Der Trainer referiert noch vor seinem Stab, um dann plötzlich wie ein kleiner Junge seinen Cheftaktiker Carlos Bilardo in den Schwitzkasten zu nehmen und ihm Schläge anzudrohen. Danach liegen sich beide in den Armen. Irgendwann trollen sich auch die Trainer.

Der Medienpulk begibt sich inzwischen ins Pressezelt, um etwas Neues zu erfahren. Das sollen Javier Pastore und Diego Pozo übernehmen. Ersterer ein 21-jähriger Mittelfeldspieler aus Palermo, letzter der 32-jährige Ersatzkeeper ohne Einsatzchance. Man setzt auf Sieg gegen Deutschland; man ist froh, im Team zu sein. Auch wegen Messi, dem besten Spieler der WM. Man will Maradona erneut zum Weltmeister machen, das sei ein richtiger Ansporn. Und man kann mit der Schwein­steiger-Kritik am angeblich unfairen Verhalten der Argentinier nicht viel anfangen. „Wenn er es so sieht, soll er es so sehen.“

Dann ist Schluss. Beim Abmarsch hören wir wieder eine bekannte Stimme. Auf einem Nebenplatz ist das Flutlicht angegangen. Diego Maradona hat einen Teil der Mannschaft um sich versammelt und übt das Elfmeterschießen. Und dann schimpft er wieder, lobt, kritisiert, feuert an und, und, und.

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