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UKM-Radiologen untersuchen Münster-Mumie - Todesursache unklar

Freitag, 09.07.2010, 00:07 Uhr

Münster - 1,65 Meter groß, zum Todeszeitpunkt etwa 30 Jahre alt, gestorben vor fast 3.000 Jahren, eindeutig männlich, Kopf und Teile der Wirbelsäule fehlen: Das sind die ersten Ergebnisse aus medizinischer Sicht der Computertomographie-Untersuchung einer komplett einbandagierten Mumie im Institut für Klinische Radiologie am Universitätsklinikum Münster (UKM). Die Mumie zählt zum Bestand des Archäologischen Museums der Westfälischen Wilhelms-Universität. Auch nach der gründlichen Untersuchung im UKM gibt die Mumie nicht all ihre Geheimnisse preis: Die Todesursache bleibt bislang unbekannt, heißt es in einer Mitteilung des UKM. Eine Enthauptung als Todesursache schließt Dr. Harald Seifarth , Oberarzt der UKM-Radiologie, allerdings aus: „Dann hätte es ganz andere Verletzungsmuster gegeben. Zwar fehlen einige Elemente der Wirbelsäule. Aber diese Teile wurde höchstwahrscheinlich nach dem Tod entfernt.“ Den entscheidenden Hinweis auf das Lebensalter der Mumie brachten die Kniegelenke: „Es gibt kaum Anzeichen für beginnende Arthrose, der Mann muss daher um die 30 Jahre alt sein. Dafür spricht auch die Knochendichte.“ Hinweise zu verheilten Verletzungen fehlen ebenfalls. Deutlich erkennbar hingegen ist eine unverheilte Fraktur des Wadenbeins, die allerdings erst nach dem Tod eingetreten sein muss: eventuell bei der Einbalsamierung oder beim späteren Transport. Prof. Dr. Walter Heindel, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie: „Einen solchen Patienten hatten wir natürlich noch nie. Auch aus unserer Sicht sind die Aufnahmen extrem interessant, daher haben wir in diesem Fall gerne geholfen. Die Aufnahmen sind ein schönes Beispiel dafür, was moderne Computertomographie heute leisten kann.“ Seit 1978 befindet sich die Mumie im Magazin des Archäologischen Museums der Universität, es ist eine Dauerleihgabe einer Schule aus Mülheim an der Ruhr. „Anhand der Hieroglyphen auf dem Sarkophag der Mumie wissen wir, dass sie aus dem Jahr 850 vor Christus stammen muss. Leider gibt der Sarkophag aber keine weiteren exakten Hinweise zur Person“, erklärt Prof. Dr. Dieter Salzmann, Direktor des Archäologischen Museums. Auch öffentlich gezeigt werden kann die Mumie bislang nicht, da sie sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. Dr. H.-Helge Nieswandt, Kustos des Museums: „Die durchgeführte Untersuchung war ein wichtiger Schritt zur weiteren Erforschung. Denn die Mumie ist komplett in Leinbinden eingehüllt. Und beim Auswickeln wäre viel zerstört worden. Nun suchen wir Sponsoren, die uns bei der Restaurierung unterstützen wollen.“ Die CT-Untersuchung am UKM erinnerte etwas an ein Puzzle: Denn viele Knochenteile, bemalte Holzstücke und Scherben lagen am Fußende des einbandagierten Körpers herum - wahrscheinlich, weil der Sarkophag lange Zeit gestanden hat. Besonders interessant ist ein deutlich zu erkennendes Lederband, ein möglicher Hinweis auf ein Amulett oder anderes Schmuckstück. „Solche Beigaben waren in der Regel üblich. Leider haben wir keinen Hinweis auf ein Amulett finden können“, erklärt Prof. Dr. Angelika Lohwasser vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU. Aber speziell die gefunden Holzstücke können nun eine wichtige Spur sein. Anhand der CT-Bilder sind für die Ägyptologin verschiedene Szenarien denkbar: „Die Stücke könnten von Rekonstruktionen der Körperteile stammen. Bei dieser recht exklusiven Mumifizierungsvariante wurde versucht, den Körper vollständig darzustellen und einzubalsamieren. Denkbar wäre auch, dass es sich bei den Stücken um die Reste eines Mumienporträts handelt, also ein Holzbild, das auf das Gesicht gelegt und ebenfalls einbandagiert wurde. Diese wäre ein Hinweis für einen sehr hohen sozialen Status.“ Aber auch ein anderes Szenario ist für Prof. Lohwasser denkbar: „Eventuell wurde bei der Einbalsamierung eine günstige Variante gewählt. In einem solchen Fall wären die Einbalsamierer nicht sehr zimperlich mit dem Körper umgegangen und hätten verschiedene Materialien einfach mit hineingelegt. Das könnte die Scherben erklären, die eigentlich nichts in einer Mumie zu suchen haben.“ Ein solches Verfahren war zeitweise durchaus üblich um die Körperform zu erhalten. So wurden etwa Leinenstücke, Sägemehl oder Schlamm eingesetzt. Für Dr. Harald Seifarth war die Untersuchung in jedem Fall „extrem spannend und hat faszinierende Aufnahmen geliefert.“ Und vielleicht verrät die Mumie ja doch noch in Zukunft einige Geheimnisse: Denn auch Zähne wurden gefunden, die allerdings stark abgerieben sind. „Eventuell durch Sand“, spekuliert Dr. Seifarth: „Karies konnte ich jedenfalls nicht erkennen.“ Die gefundenen Zähne sind jedoch ein mögliches Indiz dafür, dass ursprünglich auch der Kopf mit einbandagiert sein musste. Sicher ist: Der Kopf fehlte schon bei Ankunft der Mumie in Münster. Diese Vermutung lässt laut Mitteilung an eine Szene wie aus einem „Indiana-Jones-Film“ denken: Hat jemand den Kopf der Mumie gestohlen und vielleicht dabei auch ein Amulett vom gefundenen Lederband gerissen? Die Experten aus Münster halten sich zurück: „Das ist reine Spekulation.“. Es sind also noch einige Geheimnisse, die die „Münster-Mumie“ für sich behält. Und auch wenn die Mumie nicht so schnell im Archäologischen Museum gezeigt werden kann: Vielleicht werden dort in Zukunft die CT-Aufnahmen aus dem UKM ausgestellt. Die Radiologie-Experten des UKM haben die Untersuchung laut Mitteilung ehrenamtlich abends und unter strengsten hygienischen Schutzmaßnahmen durchgeführt. Die reguläre Patientenversorgung sei, wie es weiter heißt, nicht beeinträchtigt worden.

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