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Momentaufnahmen von Montag: Schuldzuweisungen allerorten

Duisburg in der Schockstarre - auch am Tag zwei nach der Katastrophe. Das Meer der Kerzen an der improvisierten Gedenkstätte wird ständig größer. Dort mischt sich die Trauer der Menschen mit Wut. Wir dokumentieren für Sie an dieser Stelle die Ereignisse und reaktionen von Montag. 12.38 Uhr: Nach der tödlichen Massenpanik ist die Bundesregierung offen für Konsequenzen, warnt...

Montag, 26.07.2010, 12:07 Uhr

<1>Duisburg - Eine Stadt in der Schockstarre - auch am Tag zwei nach der Katastrophe. Das Meer der Kerzen an der improvisierten Gedenkstätte wird ständig größer. Dort mischt sich die Trauer der Menschen mit Wut. Wir dokumentieren für Sie an dieser Stelle die Ereignisse und Reaktionen von Montag.

20.56 Uhr: Bei dem 20. Todesopfer handelt es sich nach Angaben der Polizei Duisburg um eine 21 Jahre alte Frau aus Deutschland. Sie erlag demnach am Dienstagabend im Krankenhaus ihren Verletzungen.

20.38 Uhr: Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg sagte am Dienstag, eine Person, die sich bisher noch in Lebensgefahr befunden habe, sei im Krankenhaus gestorben. Er bestätigte damit einen Bericht von Radio Duisburg und des ARD-„Brennpunkts“ zu einem 20. Todesopfer. Zum Geschlecht und zum Alter des Todesopfers machte der Sprecher keine Angaben.

20.32 Uhr: Bei der Loveparade-Massenpanik hat es nach Angaben von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ein 20. Todesopfer gegeben. Das sagte die nordrhein-westfälische Regierungschefin am Montagabend im "ARD-Brennpunkt". Zuvor war von einer lebensgefährlich verletzten Frau in einem Krankenhaus berichtet worden.

20.21 Uhr: Die Massenpanik bei der Duisburger Loveparade ist das schwerste Unglück in Nordrhein-Westfalen seit 22 Jahren. Mehr Menschen kamen letztmals im bevölkerungsreichsten Bundesland am 8. Februar 1988 ums Leben. Damals starben bei einem Flugzeugabsturz zwischen Mülheim und Essen im Ruhrtal 21 Menschen. Die aus Hannover kommende Maschine war beim Anflug auf Düsseldorf in eine Gewitterfront geraten. Beim Brand des Düsseldorfer Flughafens 1996 kamen 17 Menschen zu Tode, 88 wurden verletzt.

19.25 Uhr: Ins Zentrum der Kritik gerät immer mehr Loveparade-Chef Rainer Schaller , seines Zeichens auch Gründer der Fitnesskette "McFit". Schon auf der Pressekonferenz am Sonntag machte er keinen souveränen Eindruck. Von einer Mitschuld wollte Schaller jüngst noch nichts wissen.

18.57 Uhr: TV-Moderatorin Eva Herman ist durch einen sehr zynischen Blog zur Katastrophe von Duisburg aufgefallen: „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.“ Die Loveparade sei von der Stadt Duisburg von Beginn an als „Drogen-, Alkohol- und Sexorgie“ geplant gewesen. Die Achtundsechziger hätten ganze Arbeit geleistet. Wer sich die Bilder der Loveparades der vergangenen Jahre anschaue, könnte glauben, „in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sich in der Bibel beschrieben werden“. Hermans Beitrag wurde mittlerweile gelöscht, aber klugerweise zuvor gesichert .

<3>18.42 Uhr: Die Veranstalter der Berliner Silvesterparty 2010 haben nach der Tragödie bei der Duisburger Loveparde mit 19 Toten Sorgen um die Sicherheit bei der Feier am Brandenburger Tor zerstreut. „Mit allein zehn Eingängen kann eine Situation wie in Duisburg auf keinen Fall entstehen“, sagte die Sprecherin der Veranstalter, Anja Marx, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Nach 17 Jahren habe sich das Sicherheitskonzept bewährt, das mit der Polizei und dem Bezirksamt Mitte abgesprochen wird.

17.58 Uhr: Die tödliche Katastrophe bei der Duisburger Loveparade soll nach der Sommerpause auch im nordrhein-westfälischen Landtag aufgearbeitet werden. Anfang September wird sich der parlamentarische Innenausschuss in Düsseldorf in seiner ersten Sitzung mit der Tragödie beschäftigen.

17.46 Uhr: Die Pressestelle der Stadt Duisburg ist praktisch abgetaucht, die Homepage von CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Netz abgestellt: Zwei Tage nach der katastrophal gescheiterten Loveparade geht auf die Verantwortlichen ein Trommelfeuer der Kritik mit Rücktrittsforderungen und teils wüsten persönlichen Drohungen nieder. Von der Stadt war dazu den ganzen Montag über kaum ein Lebenszeichen zu hören.

<2>17.35 Uhr: Die vom Loveparade-Veranstalter am Samstag genannte Teilnehmerzahl von 1,4 Millionen ist aus Sicht der Polizei schon „rechnerisch unmöglich“. So viele Menschen hätten weder mit den bestehenden Verkehrsmitteln in der zur Verfügung stehenden Zeit anreisen können, noch hätten sie auf dem Veranstaltungsgelände überhaupt Platz gefunden, sagte am Montag der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat. Er zog einen Vergleich zu "Stillleben" auf der A40 mit drei Millionen Besuchern. Über den ganzen Tag verteilt seien auf dem Veranstaltungsgelände in Duisburg und auf dem Weg dorthin zusammen höchstens 300.000 bis 400.000 Menschen gewesen

17.11 Uhr: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) lehnt einen Rücktritt weiterhin ab. Er könne diese Forderung nachvollziehen, teilte das Stadtoberhaupt am Montag in einer persönlichen Stellungnahme mit. „Doch heute und in den nächsten Tagen muss es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen“, erklärte der CDU-Politiker. Er wandte sich auch ausdrücklich an die Angehörigen der Verstorbenen und Verletzen: „Die Stadt trauert mit Ihnen, auch ich ganz persönlich.“

17 Uhr: Studierende der Ruhr-Universität Bochum sowie der Universitäten Duisburg-Essen und Dortmund, die selbst direkt oder indirekt Opfer des Loveparade-Unglücks in Duisburg geworden sind, können sich an Professor Dr. Thomas Feltes vom Lehrstuhl für Kriminologie und Polizeiwissenschaft der RUB wenden. Professor Feltes ist Jurist und Pädagoge. Er bietet an, Hinterbliebene, Verletzte oder psychisch Betroffene bei Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen zu beraten und im weiteren Verfahren auch ohne Kosten zu unterstützen.

16.38 Uhr: Die Bezirksregierung Düsseldorf hat jede Mitverantwortung für Fehlplanungen bei der Duisburger Loveparade von sich gewiesen. Die Bezirksregierungen hätten seit Jahren keine Zuständigkeiten mehr für Polizeiangelegenheiten, sagte der Sprecher der Behörde, Bernd Hamacher, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa in Düsseldorf. Die amtliche Zuständigkeit für das Sicherheitskonzept liege bei den Ordnungsbehörden der Stadt Duisburg.

16.30 Uhr: Nach der tödlichen Massenpanik auf der Duisburger Loveparade gibt es immer mehr Hinweise auf ein mangelndes Sicherheitskonzept. Die Federführung bei der Erstellung eines solchen Plans hat die zuständige Behörde, wie der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Bernd Pawelke, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Auf die Frage, ob eigentlich jeder eine Massenveranstaltung organisieren dürfe, antwortete Pawelke: „Im Prinzip Ja. Jeder, der gewerberechtlich dazu befugt ist. Das kann ein Gastwirt sein, ein Veranstaltungsmanager, eine Kirchengemeinde und und und.“

16.10 Uhr: Radio "Bremen Vier" hat mit Katastrophenforscher Prof. Dr. Wolf Dombrowsky in einem achtminütigen Interview über das Phänomen Panik und das Verhalten von Menschen in solchen Situation gesprochen.

15.58 Uhr: Die Stadt Gelsenkirchen - ursprünglich als Austragungsort der Loveparade 2011 vorgesehen - hat die Absage der Veranstaltung begrüßt. „Es ist definitiv richtig, dass die Loveparade nach der Katastrophe von Duisburg nicht mehr stattfindet. Sie wäre in Zukunft immer von diesem Unglück belastet gewesen“, sagte Stadt- Sprecher Martin Schulmann am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

<2>15.48 Uhr: Der Veranstalter Lopavent hatte für die Duisburger Loveparade eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung bei der deutschen Tochter des französischen Versicherungskonzerns Axa abgeschlossen. „Lopavent ist mit einer Gesamtdeckungssumme von 7,5 Millionen Euro bei der Axa versichert“, sagte ein Sprecher des Versicherers der „Financial Times Deutschland“ (Dienstag). Sollten Ansprüche über diese Deckungssumme hinaus entstehen, werde der Veranstalter dafür privat haften müssen, schreibt die Zeitung. Gründer und Geschäftsführer von Lopavent ist Rainer Schaller, der auch die Fitnesskette McFit betreibt.

15.35 Uhr: Die Uni Münster trauert um eine dritte Studentin, die am Samstag auf der Loveparade in Duisburg ihr Leben verlor. Es handele sich um Fenja S., eine 23-jährige Frau aus Gelsenkirchen, die an der Westfälischen Wilhelms-Universität Niederlandistik und Germanistik studierte.

15.20 Uhr: Bei der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg sind nach neusten Zahlen insgesamt 511 Menschen verletzt worden. 283 von ihnen kamen ins Krankenhaus. Einer der Verletzten befindet sich noch in Lebensgefahr, wie die Polizei am Montag mitteilte. Bislang hatten die Behörden lediglich von 342 Verletzten gesprochen.

15.14 Uhr: Die tragischen Ereignisse auf der Duisburger Loveparade stießen beim TV-Publikum auf großes Interesse, von dem vor allem die ARD profitierte. 7,50 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 25,1 Prozent) verfolgten nach Senderangaben am Sonntag um 20.15 Uhr den „Brennpunkt“ zu den Ereignissen in Duisburg. 3,55 Millionen Zuschauer (16,3 Prozent) hatten zuvor um 19.08 Uhr das „ZDF spezial“ gesehen, 4,11 Millionen (20,5 Prozent) „RTL aktuell“ um 18.45 Uhr. Der Nachrichtensender n-tv meldete einen Tagesmarktanteil von 2,0 Prozent und lag damit deutlich über seinem normalen Niveau.

15 Uhr: Von den 342 Verletzten der Loveparade in Duisburg befindet sich niemand mehr in Lebensgefahr. Das sagte Staatsanwalt Rolf Haverkamp. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen mögliche Verantwortliche der Katastrophe stünden noch am Anfang.

13.30 Uhr: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat zur Aufklärung der Katastrophe eine unabhängige Untersuchungskommission verlangt. Die Kommission sollte sich aus Fachleuten von Sicherheitsbehörden und Rettungsdiensten zusammensetzen, die nicht aus dem Duisburger Umfeld stammen, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl. Nur so könne unvoreingenommen geklärt werden, wie es zu der Tragödie kommen konnte.

12.38 Uhr: Nach der tödlichen Massenpanik ist die Bundesregierung offen für Konsequenzen, warnt aber vor voreiligen Schlüssen. Dazu müsse erst die Analyse der Ereignisse abgeschlossen sein, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin. Es sei Aufgabe aller Beteiligten, Konsequenzen zu ziehen, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Paris. Möglicherweise werden sich die Innenminister der Länder in der Innenministerkonferenz auch mit dem Thema befassen.

12.23 Uhr: Nach dem Unglück sind noch 1138 Menschen offiziell als vermisst gemeldet. Die Polizei habe erst die Hälfte der 2367 gesuchten Personen ermitteln können, teilte die Pressestelle am Montag in Duisburg mit. 40 Beamte seien damit beschäftigt, die Vermisstenanzeigen abzuarbeiten. Möglicherweise sei schon ein großer Teil der Vermissten wieder Zuhause. Die Polizei bat die Angehörigen, sich in diesem Fall zu melden. Die Rufnummern lauten (0203) 280 - 4125, - 4128 und - 4526.

12.15 Uhr: Als sichtbares Zeichen der Anteilnahme gibt es an den städtischen Gebäuden in Münster seit Montag Trauerbeflaggung. Die Fahnen von Bund, Land und Stadt hängen auf halbmast mit Trauerflor.

12.04 Uhr: Die Stadt Gelsenkirchen - ursprünglich als Austragungsort der Loveparade 2011 vorgesehen - hat die Absage der Veranstaltung begrüßt. „Es ist definitiv richtig, dass die Loveparade nach der Katastrophe von Duisburg nicht mehr stattfindet. Sie wäre in Zukunft immer von diesem Unglück belastet gewesen“, sagte Stadt-Sprecher Martin Schulmann am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Die Veranstalter hatten am Sonntag angekündigt, dass es nie mehr eine Loveparade geben wird.

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