Interview mit Lena Meyer-Landrut
Warum Lena die Fans im Münsterland noch warten lässt

Münster - Wer geglaubt hat, Lena Meyer-Landrut sei nur ein One-Hit-Wonder, hat sich getäuscht. Gerade ist ihre neue Single „Touch A New Day“ erschienen. Außerdem hat die Hannoveranerin dem Schildkrötenmädchen Shelly in dem 3D-Animationsfilm „Sammys Abenteuer - Auf der Suche nach der Geheimen Passage“ ihre Stimme geliehen. Im April 2011 geht sie auf Deutschlandtournee. Unser Redaktionsmitglied Carsten Vogel hat mit Lena Meyer-Landrut gesprochen.

Freitag, 06.08.2010, 17:08 Uhr

In Anlehnung an den Komiker Karl Valentin : Ich habe das Gefühl, dass alles schon gefragt wurde, nur noch nicht von allen. Empfindest du das auch so?

Lena Meyer-Landrut : Absolut nicht. Es kommen immer neue Fragen, auf die man Antworten geben kann. Das Highlight eines Interviews ist es, etwas Neues zu erzählen.

Karl Valentin sagte auch: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Ist deine Karriere bisher Arbeit oder Spaß für dich?

Lena: Eine Verbindung aus beidem. Arbeit ist es natürlich, weil ich jetzt den ganzen Tag unterwegs bin, Auftritte habe und Interviews gebe. Das hatte ich vorher nicht. Da bin ich morgens zur Schule gegangen, nachmittags wieder nach Hause gekommen und habe mich hingelegt, um kurz zu schlafen.

Mittagsschlaf? Den gibt es noch?

Lena: Aber hundertprozentig. Mittagsschlaf ist eine der geilsten Sachen, die es gibt. Danach habe ich noch etwas gegessen, mich mit Freunden getroffen oder Sport gemacht und dann wieder geschlafen. Deswegen ist das, was ich jetzt mache, auf jeden Fall Arbeit. Aber ich habe Glück, dass es eine Arbeit ist, die mir viel Spaß macht.

Stell dir vor, dass du aufwachst und wieder in der Roderbruch-Gesamtschule sitzt und gerade deine Abi-klausur schreibst. Alles war nur ein Traum. Wäre das schlimm für dich?

Lena: Es wäre schon traurig, weil ich gerade so viel Zeit und Energie habe und noch so viel machen kann und möchte. Das Gefühl viele Möglichkeiten zu haben, würde ich vermissen.

Fühlst du dich privilegiert?

Lena: Ja. Ich habe mich z.B. sehr privilegiert gefühlt, als ich das Angebot bekam, Synchronspreche­rin zu werden. Synchronsprechen ist etwas so Cooles. Es ist so toll, dass ich das jetzt machen durfte.

Ist es auf der anderen Seite eine Bürde, wenn dich die Medien als Aushängeschild für ein junges, frisches Deutschland darstellen?

Lena: Als ein Aushängeschild sehe ich mich überhaupt nicht. Ich finde es aber nicht schlecht, wenn Leute das behaupten. Ich glaube, dass Deutschland an sich ein frisches und junges Land ist, nur wurde das nach außen bisher noch nicht richtig gezeigt. Deshalb finde ich es gut, vielleicht etwas dazu beigetragen zu haben.

Glaubst du, dass einer der meistausgesuchten Kindernamen im kommenden Jahr „Lena“ sein wird?

Lena: (lacht) Ich glaube, dass sowieso schon viele Mädchen Lena heißen. Ich heiße so, weil meine Mutter dachte, es sei ein außergewöhnlicher Name. Vier oder fünf Jahre später hießen alle Lena.

Wie schwer ist es, Privates aus den Medien zu halten oder Berufliches von Privatem zu trennen?

Lena: Es geht: Man muss nicht so doll darauf achten. Man kann ja zwischen der Frage nach einem neuen Freund oder einem neuen Album unterscheiden. Ich glaube eher, dass es schwierig ist, die Entscheidung zu treffen, wo Privates und Berufliches anfängt und aufhört. Da muss man sich entscheiden, und dann sieht man weiter.

Hast du Angst davor, dass dich die Boulevardpresse auf Schritt und Tritt verfolgt?

Lena: Natürlich habe ich Angst. Natürlich mache ich mir darüber Gedanken. Das ist etwas ganz Natürliches. Aber man sollte auch nicht zu paranoid werden. Es lauern nicht an jeder Ecke Reporter eines Klatschblatts. Deswegen muss man das in Relation sehen: Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, was passiert, wenn ich in den Urlaub fahre. Aber auf der anderen Seite ist das alles kein wirkliches Problem.

Die Fußballinterpretation deines Liedes der münsterischen Band „Uwu Lena“ hat dir gefallen. Ab wann aber werden Parodien für dich ärgerlich?

Lena: Bisher war ich noch von keiner Parodie oder Karikatur genervt. Meistens amüsiere ich mich nur darüber, wenn Sachen zu übertrieben sind. Aber das ist ja der Sinn einer Karikatur. Lustig ist es, wenn Journalisten mich darauf ansprechen, dass ich im Interview noch keinmal „phat“, „geil“ oder „alter Finne“ sage. Die meisten karikieren und verstärken ja nur das typische Lena-Bild.

Die Stadt Münster fehlt bei deinen Tourdaten. Ist die Halle mit 6500 Besuchern zu klein?

Lena: Absolut nicht. Wetzlar wäre auch nicht zu klein. Es geht nicht um die Größe der Halle. Ich habe mich entschieden, so wenig Konzerte wie möglich zu machen, weil ich mir noch nicht zutraue, 30 oder 40 Konzerte in ganz Deutschland zu geben. Das ist eine gesunde Selbsteinschätzung: Ich achte sehr auf mich und meinen Körper. Dann mache ich lieber neun große Konzerte und ein paar kleinere Auftritte zwischendurch.

Könntest du eigentlich auch ohne lackierte Fingernägel leben?

Lena: Stimmt, die sind immer lackiert, oder? Bestimmt könnte ich damit leben, aber es sieht schöner aus, wenn sie lackiert sind. Wenn Fingernägel immer lackiert sind, tun sie weh, wenn man sie mal nicht mehr lackiert hat. Dann fehlt der Schutz. Das ist aber kein Problem, denn die Finger gewöhnen sich nach ein paar Tagen daran. Der Hauptgrund ist, dass ich immer dreckige Fingernägel habe und Nagellack den Dreck verschwinden lässt (lacht). Deshalb ist er auch immer dunkel.

Welche Schuhe würdest du dir eher kaufen: Manolo Blahniks oder Chucks?

Lena: Schwierig. Ich bin ein totaler Schuh-Fan. Ich kann mich kaum entscheiden. Ich würde mich für Manolo Blahniks entscheiden. Chucks sind nicht so mein Ding, eher Sneakers. Ein riesengroßer Traum von mir ist es, einmal arschteure Schuhe zu kaufen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/505546?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596157%2F596422%2F
Nachrichten-Ticker