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Das Schucan-Debakel neu aufgerollt

Samstag, 04.09.2010, 07:09 Uhr

Münster - Man ist es ja gar nicht gewohnt, in der lebenswertesten Stadt der Welt auch mal Negatives über Münster hören zu müssen. Jörn Kreke (70), Aufsichtsratsvorsitzender der Douglas-Holding, kann jedoch gut schimpfen. Am Prinzipalmarkt hat der Chef von Douglas , Thalia, Poert­gen Herder, Christ, Hussel und Appelrath-Cüpper ein persönliches Debakel erlebt. Das schildert er im Buch „Die Douglas-Story“: „Am gravierendsten war unser Reinfall mit dem traditionsreichen Café Schucan .“

Kreke, mit zwölf Prozent an der Douglas-Holding beteiligt, spricht in dem Interview-Buch auch über Fehlschläge seiner Karriere.

Eigentlich habe in Münster alles gepasst. 1989 wollte Café-Chefin Claire Schucan verkaufen, an jemanden, der das Geschäft fortführen würde: „Das traute sie als geborene Schweizerin auch unserem Schweizer Café-Geschäftsführer Feller zu.“ Über den Preis habe Einigkeit bestanden.

Doch dann kam der Streit um die Miete. Schucans hätten plötzlich einen Zins auf Prinzipalmarkt-Niveau verlangt. Kreke: „Das entsprach einer Verdoppelung.“

Zu diesen Konditionen hätte man das Traditionshaus „unmöglich rentabel“ betreiben können. Dann habe Schucan allerdings zu verstehen gegeben, man könne das Café auch für andere Zwecke nutzen. Das wäre der Punkt gewesen, sagt Kreke, rechtzeitig auszusteigen.

Stattdessen kündigte Douglas an, Schucan zu schließen. Dann kam der Volksaufstand: „Keiner von uns Nicht-Münsteranern hat die unglaubliche emotionale Bindung der Münsteraner Bürger und Studenten an ihr Café Schucan richtig eingeschätzt.“

Douglas galt als Übeltäter. „Wir wurden auf der Straße, in Funk und Fernsehen aggressiv beschimpft.“ Schaufenster seien bespuckt worden. Kreke: „Die ehrenwerten Kaufleute am Prinzipalmarkt schimpften kräftig mit.“

Das ging dem Douglas-Chef an die Nieren. „In meiner Not bin ich dann zum Oberstadtdirektor gegangen.“ Er wollte der Stadt und der Kaufmannschaft das Café schenken, hätte sogar auf den Kaufpreis verzichtet. Einzige Bedingung: Die Stadt müsse die Miete zahlen und das Café weiter betreiben. Aber das Stadtoberhaupt habe dankend abgewinkt.

Alles weitere ist bekannt: 1989 wurde das „richtige Schucan“ geschlossen. Später entstand ein Ersatz-Schucan, unter Regie der Schweizer Kette Feller, das 1997 die Pforten schließen musste. Horst Preisinger, der letzte Geschäftsführer beim Original-Schucan, kennt auch die Gründe: „Die Qualität. Bei uns wurde zum Beispiel die Schokolade mit Milch und echter Schokolade gekocht. In modernen Cafés gibt es doch nur noch heißes Wasser mit Kakao-Pulver.“

Für Douglas endete das Schucan-Abenteuer als Fiasko. „Der Imageschaden“, sinniert Kreke in seinem Buch, „ist über viele Jahre geblieben.“

Frau Schucan, heißt es in dem Buch weiter, habe derweil kurz darauf ihr Haus „für einen Höchstpreis“ verkauft und sei „fröhlich und vergnügt in die Schweiz gezogen.“ Da irrt der Dichter. Claire Schucan lebt auch heute noch in Münster, eine ihrer Schwestern heiratete einen Schweizer und zog in die Alpen.

» Die Douglas-Story, ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg, Hoffmann und Campe .

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