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„Geboren, um zu blödeln“ - Otto Waalkes begeistert die Fans in Münster

Sonntag, 12.09.2010, 16:09 Uhr

Münster - Holleläjidiii! Der Jodler des friesischen Götterboten tönt wie eh und je. Es ist das erste, was von der Bühne schallt. Otto bleibt Otto. Er machte schon Comedy, als es dieses Wort bei uns noch nicht gab: vor etwa 40 Jahren. Und wenn der „Godfather of german comedy“ ruft, kommen die Fans - die schon mindestens drei Generationen umfassen - in die Hallen geströmt. Auch die Halle Münsterland platzte am Samstag aus allen Nähten, während die „Ottifanten“ gleich stolzen 16-Endern von der Wand grinsten.

Die „Alten“ im Publikum, die Ottos Platten schon in den 70er Jahren im Kinderzimmer hörten (vielen Zoten zum Trotze), können in Nostalgie schwelgen, wenn er seine Klassiker Revue passieren lässt („Der Flötenschlumpf fängt an!“). Aber auch die Kinderzimmer-Fans von heute klatschen jedes Schelmenlied selig mit - und drängen sich dann in Scharen vor der Bühne, wenn Old Otti seine Stoff-Ottifanten en masse verschenkt. Wer Jung und Alt über Jahrzehnte begeistert, darf sich Klassiker nennen.

Da tut´s auch nichts, dass er früher sogar noch besser war. Dass sein Anarcho-Witz förmlich explodierte, während er Reime von der Bühne schleuderte, die der geniale Robert Gernhardt ihm ins rasende Mundwerk diktierte (Paulus schrieb an die Apachen: „Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen!“).

Damals ein einsamer Platzhirsch - heute gibt´s so viele Witzbolde im Komik-Wald, dass der Altmeister sie gar als „7 Zwerge“ auf die Leinwand brachte. Und die parodiert er an diesem Abend mit Wonne, wenn er das Märchen von Hänsel und Gretel etwa mit der schlafmützigen Coolness von Rüdiger Hoffmann erzählt. Oder auch als Mario Barth („Knusperhaus? Det is mein Laden!“). Und für Udo Lindenberg, mit dem er einst die WG teilte, sind Pfefferkuchen die volle Dröhnung.

Otti packt die Wundertüte aus: Da grinst Harry Hirsch neben Sid aus dem Zeichentrickfilm „Ice Age“, dem er die Stimme lieh. Da grimassiert er zum Niederknien den „Kleinen grünen Kaktus“ in Großaufnahme. Da zaubert er als Küchenmeister wie früher chaotisch seine „Pommes de Bordell“ (Kartoffelpuffer). Und am „Tag der deutschen Sprache“ wirken seine typischen Nonsens-Übersetzungen aus dem Englischen doppelt witzig: Herzlich willkommen in der Halle Münsterland - „Hardly welcome to the Hell of Monsterland!“.

Wie ein junger Bengel spritzt und sprüht er ständig irgendwas in die erste Reihe. Als Finale kommen die unverwüstlichen Liederparodien von der Klampfe. Er kann den Maffay und den Grönemeyer; der Blödelbarde lässt alle Arme hoch schwenken, wenn er mit Michael Holm schnulzt: „Dänen lügen nicht“. Und dann stellt sich der 62-jährige Friesenjung ganz „unheilig“ an die Rampe und singt: „Geboren, um zu blödeln“.

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