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Vom Freak zum Millionär: Charlie Steinberg - der Mann, der Cubase erfand

Samstag, 25.09.2010, 18:09 Uhr

Münster - Lange Zotteln , handgestrickter Pullover, Kopfhörer, Kabel und undefinierbare Geräte im Arm. Das Foto stammt aus den 70ern, es gab noch keine Heimcomputer. Und der Musikstudent aus Coesfeld lötet und schraubt in seiner Dachkammer an der Meppener Straße an den Anfängen einer großen Karriere. Charlie Steinberg - der Mann, der einmal das berühmteste Programm für elektronische Musik weltweit erfinden sollte: Cubase.

Die WG hieß in Fachkreisen „Meppelhem“. Hier wohnten in den 70er Jahren Musiker wie Peter „Plüff“ Löwner (Fiedel Michel), Dago Dombrowski (Katamaran), der schräge Künstler Gerd Roxy Heart und die Malerin Marion Nießing.

Walter Stöver, münsterischer Bassist, erinnert sich: „Charlies Zimmer war außer der spärlichen Möblierung aus Jaffa-Kisten und einer großen Matratze mit wirr durcheinander liegenden Krokodilklammerkabeln, Platinen und elektronischen F achzeitschriften dekoriert; im zerknautschten Bettzeug ein Oszillograph.“ Inmitten des Chaos verkündete der Maestro: „Diese Digitaltechnik ist geil.“

Stöver und Steinberg haben schon damals zusammen Musik gemacht. In der preisgekrönten „Törner Stier Crew“. Heute jammen sie wieder zusammen in ihrem Band-Projekt „Stier“, mit Frontman und Schauspieler Martin Stier am Mikro. Am 7. Oktober werden die alten Haudegen im „Schwarzen Schaf“ spielen. Bei aller Elektronik, mit der sich der Tüftler aus Coesfeld beschäftigt hat: „Musik machen ist immer noch am besten.“

An der Meppener Straße baute er sich seinen ersten Synthesizer: „Der hatte schon Elemente, wie die Obertöne, die auch später interessant wurden.“ Außerdem nahm Steinberg mit einem kleinen Sinclair-Spielzeugcomputer Musik digital auf, um sie nachher wieder zusammen zu setzen. „Das konnte man kopieren, verbessern, aneinanderhängen“, begeistert er sich.

1983 programmierte Charlie Steinberg ein kleines Programm für den C64, „Multitrack“ genannt. Damals hatte er Münster den Rücken gekehrt. In Hamburg gründete er mit dem „Krautrocker“ Manfred Rürup die Firma „Steinberg Research“. 1989 erschien dann auf dem Atari ST die Software Cubase. Ein weltweiter Erfolg. Mit Cubase konnten Musiker ihre Stücke elektronisch schneiden, Spezialeffekte einfügen, zusätzliche Instrumente hinzufügen.

„Ich bin manchmal überrascht“, sagt Charlie Steinberg, „wie ehrfürchtig mich Leute ansprechen, wenn sie über Cubase sprechen.“ Sein Ruf ging soweit, dass man Steinberg vor einigen Jahren sogar für einen Grammy nominierte.

„Allerdings ist das ja nur ein ganz kleiner Bereich, in dem ich arbeite“, sagt der Tüftler, „ich kann hier noch gut über die Straße gehen, ohne dass mich jemand erkennt.“

In Hamburg ist der Langmähnige von früher „sehr glücklich verheiratet“, hat zwei erwachsene Kinder. Und die lange Mähne hat sich auf biologische Weise erledigt.

Seine Firma Steinberg Media Technologies GmbH hat er vor sechs Jahren für etliche Millionen an Yamaha verkauft. „Ich geh´ aber da noch manchmal hin“, sagt er.

Mittlerweile tüftelt er an anderen Programmen. Steinberg und sein Kumpel Manfred Rürup haben im Internet einen digitalen Musik-Rekorder und eine Plattform entwickelt, auf der Musiker weltweit in Echtzeit miteinander Mucke machen können. „Für unsere letzte CD“, sagt er, „haben wir einen Bläsersatz aus den USA genommen.“

Musik hat Steinberg immer gemacht. Inga Rumpfs LP „Liebe, Leiden, Leben“ nahm er auf, auch mit Frl. Menke, Achim Reichel und Boyzone arbeitete er im Studio. Heute geht er mit seinen alten Spezies Stöver und Martin Stier wieder auf Tour. Die alten Herren hauen tüchtig auf die Ohren und nennen sich selbstironisch „Die älteste Newcomerband Deutschlands“.

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