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Prozess um tote Babys in Kühltruhe: Durch die Familie geht ein Riss

Donnerstag, 07.10.2010, 06:10 Uhr

Münster /Wenden - Im Revisionsprozess um die mehrfache Mutter aus Wenden im Siegerland, die drei ihrer Babys tot in der Tiefkühltruhe versteckt hatte, sind am Mittwoch vor dem Landgericht Münster unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwei ihrer Brüder vernommen worden. Einer davon war jener, von dem die Angeklagte gesagt hatte, er habe sie im Kindesalter sexuell missbraucht. „An diesen Vorwürfen ist nichts dran“, sagte der andere Bruder am Rande des Prozesses. „Hier ist von einer Familie die Rede, die es so nie gegeben hat.“

Monika H. hatte 1986, 1988 und 2004 im heimischen Bad drei Mädchen lebend zur Welt gebracht, die kurz darauf durch ihr Verhalten zu Tode gekommen sein sollen. Während die erste Tat verjährt ist, soll bei der zweiten geklärt werden, ob H. das Kind durch zu langes festes An-sich-Drücken, also aktives Tun tötete. Die dritte Tat gilt bereits als Totschlag, das Strafmaß wird nachverhandelt.

Für Aufsehen sorgte gestern die Aussage der Brüder, die ihre Schwester der Lüge bezichtigten. Während die Verteidigung den Missbrauch als Grund für H.´s Arztphobie heranzieht, bezeichnete einer der beiden dies als gegenstandslos.

Warum Monika H. dazu beitrug, dass drei ihrer Kinder zu Tode kamen, kann er sich nicht erklären. „Wir waren immer eine intakte Familie und fragen uns verzweifelt, wie es zu dieser Tragödie hat kommen können.“ Einen Missbrauch habe es jedenfalls nie gegeben. Dies klarzustellen, sei er heute „erhobenen Hauptes“ vor Gericht erschienen.

Die Anwälte der Angeklagten verlasen die Di­agnose ei­ner Kölner Psychologin, bei der H. seit dem Auffliegen der Taten im Jahr 2008 in Behandlung ist. Diese bezeichnete die heute 46-Jährige als Frau mit „ängstlich vermeidender, dependenter und depressiver Persönlichkeitsstörung, posttraumatischem Belastungssyndrom und einer Alkoholabhängigkeit“. Sie bewerte die Schilderung des Missbrauchs durch einen ih­rer Brüder als glaubhaft.

Die Brüder erwägen nun rechtliche Schritte gegen Monika H. Während ihr von Tochter und Ehemann in den Pausen der Rücken gestärkt wird, halten sich die übrigen Geschwister abseits. Man habe den Kontakt abgebrochen, sagte einer der Brüder gestern.

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