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Brückenabriss am Autobahnkreuz: Bagger beißen sich die Stahlzähne aus

Münster - Der Lärm war ohrenbetäubend: Krachend schlag der schwere Meißel der Bagger auf den Beton der Brücke ein, die eigentlich die A1 über die A43 am Autobahnkreuz Münster Süd führt. Doch die Brücke musste nun weichen, denn die Autobahn wird auf sechs Spuren erweitert. Um das Mammutprojekt auch zeitlich schaffen zu können, hatten sich die Planer etwas Besonderes überlegt:...

Sonntag, 17.10.2010, 00:10 Uhr

Münster - Der Lärm war ohrenbetäubend: Krachend schlag der schwere Meißel der Bagger auf den Beton der Brücke ein, die eigentlich die A1 über die A43 am Autobahnkreuz Münster Süd führt. Doch die Brücke musste nun weichen, denn die Autobahn wird auf sechs Spuren erweitert. Um das Mammutprojekt auch zeitlich schaffen zu können, hatten sich die Planer etwas Besonderes überlegt: Schon in der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die A 43 für den Verkehr voll gesperrt, und auch auf der A1 ging es nur noch im Schleichtempo voran. Ein Weg von Münster in Richtung Dortmund war nicht möglich, nur die Abfahrt von Münster Richtung Bremen war geöffnet. „Das ist aber normal – eine Vorsichtsmaßnahme, damit wir in Ruhe arbeiten können“; verriet Christian Müller , Mitarbeiter vom Landesbetrieb Straßen NRW, während im Hintergrund die Greifer der Bagger immer wieder kleine und große Stücke aus der Brücke rissen. Die Sperrung werde am Montag um sechs Uhr wieder aufgehoben, wenn es schnell gehe auch früher. Doch das Bauwerk, das erst 1965 gebaut wurde, wehrte sich mit aller Macht. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so schwer wird“, verriet Stefan Feldmann , Bauleiter von der Abbruchfirma Moß. Die Brücke sei widerstandsfähiger als gedacht. „Das liegt am Spannstahl, der beim Bau verarbeitet wurde.“ Ein enges Drahtgeflecht war damals in den Beton eingelassen worden, um die Sicherheit und die Tragfähigkeit der Brücke zu garantieren. Doch nun machte das Metall den Baggerfahrern das Leben schwer. Doch die Baustelle stand anscheinend unter keinem guten Stern: Denn nicht nur die Brücke, sondern auch die Geräte machten den Männern Schwierigkeiten. Schon früh fiel der größte der Bagger, der immerhin runde 70 Tonnen auf die Waage bringt, aus. „Am Löffelstielzylinder sind die Schrauben alle gebrochen, die müssen nun ausgetauscht werden“, so Feldmann. Doch das sei nicht so einfach wie es sich anhöre. „Dazu müssen erst einmal Fachleute herbei.“ Überhaupt hatte es die Brücke in sich, wie auch Müller weiß. „Unser letzter Brückenabbruch war auf der Höhe vom Flughafen Münster-Osnabrück, davor gab es lange nichts.“ Dabei sei auch der Abbruch mit den Baggern das Mittel der Wahl. „Ein Sprengung hätte uns bei der Situation nichts gebracht: Der Zeitaufwand wäre genau so groß gewesen.“ Am Ende musste das Bauwerk, das immerhin eine Breite von rund 25 Metern, eine Länge von 55 Metern und eine Höhe von sechs Meter hatte, doch weichen. Nur die Schuttberge erinnerten noch an das Bauwerk. Doch auch die sind nicht zu unterschätzen: Immerhin bringt allein der Überbau schon rund 2148 Tonnen auf die Waage, der Unterbau schlägt noch einmal mit 1981 Tonnen zu Buche. „In der kommenden Woche wird dann ein Steinbrechmaschine aufgebaut, und der Schutt wird zu Recyclingmaterial“, so Müller. Das geschieht in den „Ohren“, also den Wenden der Autobahn. „Dann muss der Schutt nicht so weit transportiert werden und auch der Verkehr wird durch die Arbeiten nicht gestört.“

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