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Gastronom sperrt Kinderwagen aus

Dienstag, 05.10.2010, 06:10 Uhr

Münster - Es ist keine gute Idee, die kleine Roestbar an der Hörsterstraße mit einem Kinderwagen zu betreten. Das weiß auch Sabine Petri . „Das ist kein Kinderwagentreffpunkt“, sagt die junge Mutter, „ich würde es normalerweise auch vermeiden.“ Im Sommer hatte sie oft auf dem Vorplatz Kaffee getrunken - und das wollte sie vor Kurzem wiederholen. Doch dann regnete es heftig; und Sabine Petri zog es vor hineinzugehen. Eine Freundin half ihr, den Kinderwagen die steile Treppe hinaufzutragen und einen Platz zu suchen.

Doch als sie ihren Kaffee bestellen wollte, wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass im Lokal Kinderwagen nicht erwünscht seien. Ein kleines rotes Schild klebt an der Tür, wie man es auch an Rolltreppen sieht: Kinderwagen verboten.

Sabine Petri hakte nach; das Café sei doch gerade ziemlich leer... Das sei eine grundsätzliche Entscheidung, sagten die Frauen an der Theke, denen das sichtlich unangenehm war. Ausnahmsweise könne sie jetzt noch ihren Kaffee trinken, aber künftig bitte ohne Kinderwagen. Das mochte Sabine Petri nicht. „Man fühlt sich nicht willkommen.“ Sie verließ empört das Café, dessen Stammkundin sie seit Langem ist, wie sie sagt.

Nun stellt sie sich die Frage, die auch in einigen bundesweiten Internetforen diskutiert wird: Steckt hinter diesem Verbot etwa mehr? „Wenn Kinderwagen draußen bleiben sollen, wirkt das auf mich, als wären Kinder unerwünscht.“ Sie fühle sich von dem Verbotsschild („Ich habe so etwas in Münster noch nicht gesehen“) jedenfalls deutlich befremdet.

Ein Eindruck, dem Mario Joka , der Geschäftsführer der Röstbar, energisch entgegentritt: „Wir haben nichts gegen Kinder!“, sagt er. „Kinder sind Gäste im Café, viele Mitarbeiterinnen haben selber Kinder. Nur für Kinderwagen haben wir einfach keinen Platz.“ Das 55- Quadratmeter-Café in dem denkmalgeschützten Haus ist nur über die steile Außentreppe zu erreichen; in den kleinen Gastraum führen wieder ein paar Stufen herab. „Wir haben erlebt, dass Gäste gegen Kinderwagen stießen, die in den Raum getragen wurden. Es gab einige Beschwerden.“ Da habe man sich vor einem Jahr im Mitarbeiterkreis entschieden, Kinderwagen nicht mehr einzulassen. Nur für Rollstuhlfahrer gebe es den barrierefreien Büroeingang.

Der Platz ist knapp, das sieht Sabine Petri ein. Ob man das Ganze nicht anders rüberbringen könnte? Ein handschriftlicher Hinweis statt eines lapidaren Verbotszeichens? Und vielleicht ein kleiner Carport vor der Tür, wo sich auch bei Regen der Kinderwagen abstellen ließe?

Dieser Idee erteilt Mario Joka eine klare Absage: „So etwas macht die Denkmalbehörde nicht mit. Wir dürfen da kaum was machen.“ Bei Regenwetter seien allerdings immer Schirme aufgespannt, unter denen gerne Kinderwagen geparkt werden könnten.

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