Klassiker auf Rädern
Der mit dem „bösen Blick“

Freitag, 22.10.2010, 15:10 Uhr

Greven - Böser Blick, lange Schnauze und ein knackig kurzes Heck. Als der kleine Robert Cavallo erstmals vor Papas Ford Capri stand und in die grimmig verschlafenen Autoaugen schaute, wurde er verzaubert: Es war Liebe auf den ersten Blick.

Daraus entwickelte sich eine fabelhafte Symbiose: Weder Fahrer noch Auto können bis heute ohne einander. Robert Cavallo begeisterte sogar seine vormals desinteressierte Frau Anja von dem schicken Schätzchen in der Garage: „Zuerst dachte ich: Was ist das denn für ne Klapperkiste? Dann restaurierte mein Mann von 1990 bis 1992 den Capri. Ich verliebte mich in das Ergebnis!“

Der Capri-Virus ist offensichtlich höchst ansteckend. Auch die siebenjährige Romina und ihre zehnjährige Schwester Antonia lieben Papas 114 PS auf Rädern. Nur schlafen muss der Capri noch in der Garage. Dafür aber behutsam, zugedeckt von Papa Cavallo.

Ob die Reisen nach England und Luxemburg oder das Abholen der neugeborenen Tochter aus dem Krankenhaus- die Grevener Familie erlebte viele Abenteuer mit dem Capri. Robert Cavallo blickt lächelnd zu seiner Frau: „Weißt du noch, bei unserer Hochzeit? Ich am Steuer des Capri und du mit dem Brautkleid neben mir!“

Schöne Erinnerungen, die in den dicken Capri-Alben dokumentiert sind. Gleich daneben im Regal - jede Menge DVDs: „Sie zeigen die schönsten Momente von den Veranstaltungen unseres Capri-Clubs Münsterland.“.

Den Club gründete Cavallo den Capris´ zuliebe im Jahr 1990 und ist seitdem auch der erste Vorsitzende.

Was macht den Capri so besonders? „Die Form.“ Der Grevener schwärmt: „Der Motorsound, der Benzingeruch, die vielen Details, wie die lange Schnauze, das kurze Heck und die C - geformten Fenster. Haben Sie noch die nächsten drei Tage Zeit?“

Robert Cavallo lacht und erzählt von der Geburtsstunde des Ford Capri im Jahr 1969: „Mit dem Capri wollte Ford den Erfolg, den das Unternehmen in den USA mit dem Mustang erzielt hatte, in Europa wiederholen. So baute Ford Deutschland einen sportlich schicken und mit 7000 Mark preisgünstigen Capri, den die Leute liebten.“

Mit seiner Coupéform hat der neue Liebling sich deutlich von der bis dato üblichen Kastenform abgehoben. Obendrein war er das Vorbild für bekannte Nachfolgermodelle wie den Opel Manta.

Mit der Zeit gingen die Verkaufszahlen allerdings zurück - Ford handelte. Nach einem so genannten „Face Lifting“ erschien der Capri II, unter anderem mit dem markanten „Bösen Blick.“ Robert Cavallo deutet auf die über die Doppelscheinwerfer gezogene Motorhaube: „Man sagt auch schlafende Augen´ dazu.“

Von 1978 bis 1986 produzierte Ford Deutschland schließlich den Capri III. Aus dieser Serie, genauer vom Oktober 1980, ist der Cavallo Capri.

So erreicht der Grevener Dreier bald den 30sten Geburtstag und wird damit automatisch vom Young - zum Oldtimer.

Wie pflegt der 43jährige Cavallo seinen treuen Weggefährten? „Sehr intensiv! Denn Ersatzteile sind äußerst selten.“

So tüftelt und schraubt der Autoliebhaber und Bezirksleiter im Außendienst manchmal stundenlang vor der Garage an seinem Liebling herum. Hin und wieder tauchen bei der Gelegenheit neugierige Geister auf: „Viele Fragen, was ist das für ein Auto? Ein Mustang? Die markante Form fasziniert Kinder und Erwachsene. So komme ich mit den verschiedensten Leuten ins Gespräch. Das ist schön!“

Die Cavallos und die Capris - vielleicht gibt es demnächst Zuwachs. Denn Mutter Anja wünscht sich einen schlichten Einser, Tochter Antonia allerdings einen Capri als Rennwagen. Die Liebe auf den ersten Blick - es scheint sie wirklich zu geben.

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