Klassiker auf Rädern
Ein Rekord mit Hüftschwung

Freitag, 15.10.2010, 17:10 Uhr

Greven - Das vergilbte, schon leicht beschädigte schwarz-weiß Foto im Portemonnaie belegt das Bekenntnis. „Autos sind meine Leidenschaft“, bekräftigt Andreas Bober und zeigt auf den Dreikäsehoch. Der sitzt am Steuer von Opas Lloyd Alexander. Ein deutscher Nachkriegs-Oldtimer, längst auf dem Autofriedhof. Genau so wie die deutsche Badewanne, der DKW, ein Zwei-Zylinder, Zweitakter, Großvaters Auto und zugleich erster fahrbarer Untersatz des Führerschein-Novizen. Der Hauptschullehrer gerät ins Plaudern. „Mit dem bin ich damals zur Abi-Deutschklausur gefahren.“ Auf dem Wilhelmsplatz ließ der DKW den Abiturienten im Stich. „Zündkerzen gesäubert und mit verrußten Fingern die Deutschklausur geschrieben.“ Auch das eine Geschichte, die auf dem Autofriedhof endete.

Kaum minder betagt, aber noch quicklebendig ist der Rekord, der den heute arg ramponierten Ruf der Autobauers weiter stärkte. „Ein Ausbund an Zuverlässigkeit. Der fährt auch noch auf drei Reifen und zwei Töpfen“, charakterisiert der Oldtimer-Freund seinen Rekord C in der 1,7 Liter S-Version. „75 PS, 153 Stundenkilometer.“ Als läse er es aus der Karte des Autoquartetts. Doch nicht die inneren Werte, sondern die Form besticht. Ein bisschen hochbeinig steht der Opel mit seinen amerikanischen Paten vor dem Hof an der Saerbecker Straße. Das Sierra-Beige in Kombination mit dem schwarzen Vinyldach - der pure Luxus. Und dann dieser Hüftschwung - Susanne Bober teilt die Klassiker-Leidenschaft ihres Mannes und zeigt auf die Seitenlinie ihres mobilen Begleiters. „Das ist der so genannte Coke-Bottle-Hüftschwung.“

Leidenschaft für einen Opel? Vielleicht sind es die guten Erinnerungen an die Familienkutsche: Mama, Papa, drei Bober-Kinder, Zelt und das komplette Camping-Equipment. So steuerten die Bobers in den 60er Jahren die Urlaubsinsel Ameland an. Groß und geräumig sei das gewesen. Ehefrau Susanne musste sich mehr bescheiden: Familie und was dazu gehört wurden in einen VW gequetscht.

Alltagstauglich ist der Opel, der als eines der letzten Modelle seiner Art im Januar ´72 vom Band rollte, zwar auch heute noch, doch Alter, H-Kennzeichen und die familiäre Wertschätzung schützen den Oldtimer, den Andreas Bober eher als einen Youngtimer titulieren möchte, vor den Unbilden des täglichen Autofahrens. Mal ein Sonntagsausflug mit der Liebsten, mal als Hochzeitskutsche für Freunde oder ein Ausflug mit dem Oldtimer-Rudel, denn mit seiner Leidenschaft fährt Andreas Bober nicht allein: Im Opel-Stammtisch Bohmte-Osnabrück teilt man die Leidenschaft für das Auto mit dem Blitzzeichen. Dort am Stammtisch wird auch der Rekord kontrovers diskutiert. Restaurieren oder Reparieren? Die Bobers haben sich für letzteres entschieden, auch weil der nicht restaurierte Opel letztlich ein Stückchen näher am Original ist.

Der Lehrer, der in früheren Jahren auch als freier Mitarbeiter für die WN im Einsatz war, ist ein bisschen traurig, dass im Rahmen der Klassiker-Serie schon ein Manta vorgestellt wurde. „Die Version B, Synonym für Mantaplatte und andere Witze.“ Bober öffnet das große Scheunentor und zeigt auf seinen roten Sportwagen. „Ein Manta A - Opels Antwort auf den Ford Capri.“ Doch von dieser automobilen Geschichte lesen Sie später noch einmal in Ihren WN.

»

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/154535?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596157%2F596238%2F
Tausende feiern mit den H-Blockx
Stadtfest "Münster Mittendrin": Tausende feiern mit den H-Blockx
Nachrichten-Ticker