40 Jahre Tatort - Content
Interview mit dem Tatort-Erfinder: Gunther Witte

Berlin - Am Anfang des Tatorts war Gunther Witte. Und Gunther Witte war Redakteur beim WDR in Köln. Für Fernsehspielchef Günter Rohrbach erfand er vor 40 Jahren den „Tatort“. Heute ist er 75 und lebt in Berlin. Herr Witte, ist es nicht furchtbar, dass Sie jetzt schon seit so vielen Jahren ständig dieselbe Frage beantworten müssen, nämlich wie Sie den „Tatort“ erfunden haben?...

Donnerstag, 25.11.2010, 00:11 Uhr

Berlin - Am Anfang des Tatorts war Gunther Witte . Und Gunther Witte war Redakteur beim WDR in Köln . Für Fernsehspielchef Günter Rohrbach erfand er vor 40 Jahren den „Tatort“. Heute ist er 75 und lebt in Berlin. Herr Witte, ist es nicht furchtbar, dass Sie jetzt schon seit so vielen Jahren ständig dieselbe Frage beantworten müssen, nämlich wie Sie den „Tatort“ erfunden haben? Witte: „Ach, das ist halb so schlimm. Aber es stimmt, dass ich immer diese Frage beantworten muss.“ Bitte tun Sie es noch einmal. Es hatte mit der ZDF-Serie „Der Kommissar“ zu tun, nicht wahr? Witte: „Es war eine grundsätzliche Geschichte: Das ZDF hat gerade in der Unterhaltung große Anstrengungen unternommen, und da hat Rohrbach gesagt: „Wir müssen dem etwas entgegensetzen."“ Es gab dann diesen legendären Spaziergang im Kölner Stadtwald, auf dem Rohrbach Ihnen gesagt hat, Sie sollten mal eine Krimiserie entwickeln. Können Sie sich noch an Ihre erste Reaktion erinnern? Witte: „Im ersten Moment stutzte ich ein bisschen, weil ich ja nun gar kein Krimiexperte war. Aber um so mehr nimmt man eine solche Aufgabe dann an und kniet sich da rein.“ Haben Sie sich dann an den Schreibtisch gesetzt und den „Tatort“ erfunden oder wie muss man sich das vorstellen? Witte: „So was wächst ja eher im Laufe eines Tages oder einer Woche. So war das da auch. Ich habe gedacht: Als Kind hab' ich Edgar Wallace gelesen, aber eigentlich hatte ich es mehr mit Karl May. Der Anstoß kam dann durch die RIAS-Serie „Es geschah in Berlin." Und aus dieser Serie haben Sie dann den regionalen Aspekt der „Tatort“-Krimis abgeleitet, die erste der drei berühmten Säulen, auf denen seitdem jeder „Tatort“ aufgebaut ist. Witte: „Ja, ich habe mir gedacht: Die ARD ist doch nun mal in allen Regionen vertreten, das könnte man doch nutzen. Ursprünglich sollte die Serie dann sogar immer „Tatort Berlin“ oder „Tatort Köln“ oder so heißen. Aber Rohrbach hat gesagt: „Lassen Sie doch die Ortsnamen weg!“ Das habe ich dann auch sofort angenommen, weil sich das sowieso auf Anhieb erschließt.“ Hat denn damals niemand gesagt: „Das geht auf keinen Fall, dass da ständig andere Kommissare auftreten!“? Witte: „Seltsamerweise nicht. Ich selbst habe daran gedacht, als ich das Konzept dann noch mal abgeklopft habe, und dachte: Hoffentlich geht das gut.“ Die zweite Säule besteht darin, dass der Kommissar jeweils im Mittelpunkt stehen muss. Witte: „Das ergab sich praktisch aus der ersten. Es war wichtig, dass jede Region vertreten war durch eine Figur, die dann im besten Fall auch Dialekt sprach. Zum Beispiel haben die Kommissare aus München immer Dialekt gesprochen.“ Und die dritte Säule? Witte: „Ich dachte mir: Dieser „Tatort“ muss die Geschichte der Bundesrepublik spiegeln. Das wäre aber so nicht akzeptiert worden. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass er realistisch sein soll.“ Anders als zum Beispiel „Derrick“. Die Serie würden Sie nicht als realistisch bezeichnen, oder? Witte: „Nein. Ich habe mir das auch gerne angesehen, aber irgendwann merkt man natürlich: Das ist immer das gleiche Muster. Wohingegen man im 90-minütigen „Tatort"-Format wirklich eine individuelle Geschichte erzählen kann.“ Wie ist die Serie angekommen? Gab es zunächst Kritik? Witte: „Nein, das Echo war eigentlich von Anfang an ungeheuer positiv.“ Wer war Ihr Lieblingskommissar? Witte: „Schimanski. Er ist die auffälligste Figur, wenn auch für mich keine Identifikationsfigur. Ich bin ja eher Thanner-Typ.“ Und heute? Witte: „Die Münster- und die Köln-"Tatorte“ mag ich besonders, auch wenn sich das vielleicht komisch anhört, weil die beide vom WDR sind. Das ist aber auch nur eine ganz persönliche Vorliebe. Die Kommissare haben alle ihren Reiz.“ Gucken Sie denn noch immer jeden Sonntag? Witte: „Wenn ich zu Hause bin, ja.“

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