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Gequältes "Ja" zu Sportleistungszentrum in Ahlen - knappe Ratsentscheidung

Donnerstag, 04.11.2010, 23:11 Uhr

Ahlen - Das Sportleistungszentrum an der Friedrich-Ebert-Halle kann nun doch gebaut werden. Mit einer Stimme Mehrheit hat der Rat der Stadt Ahlen am Donnerstagabend grünes Licht für den Abschluss eines Nutzungsüberlassungs- und Kostenübernahmevertrages mit der Ahlener Sportgemeinschaft (ASG) gegeben - und damit die Weichen für die Halle gestellt. 22 zu 21 (bei einer Enthaltung) lautete das Ergebnis der geheimen Abstimmung.

Vorausgegangen war eine dreistündige Debatte mit zwischenzeitlichem Ausschluss der Öffentlichkeit, als auf Antrag der SPD-Fraktion über den Abschluss eines Erbbauvertrags mit der ASG beraten wurde. Auch eine 20-minütige Sitzungsunterbrechung gab es. Diese wurde dazu genutzt, zwei Änderungsvorschläge der FDP in den Vertragsentwurf einzuarbeiten, von denen eine Passage dann aber als politische Absichtserklärung aus dem Vertragstext wieder entfernt wurde.

„Ich bin entsetzt über das Chaos“, sagte FDP-Fraktionschefin Gabriela Wilinski-Röhr nach der Sitzungsunterbrechung, die von der SPD beantragt worden war. Adressat ih­rer Kritik war der Bürgermeister, der die schriftlich eingegangenen Änderungsvorschläge nicht in den Verwaltungsvorschlag eingearbeitet hatte, sondern Stephan Eifler und Wilinski-Röhr diese nur mündlich vortragen ließ.

In der streckenweise sehr polemisch geführten Debatte hatten sich die beiden Seiten gegenseitig bezichtigt, mit Halb- oder Unwahrheiten zu operieren. Die Einlassungen von Lutz Kuligowski (CDU), der den Bau der Halle als weitsichtiges Projekt lobte, das nicht nur positive Wirkungen für den Schul-, Breiten- und Seniorensport entfalte, sondern auch sozialpolitisch bei der Integration von Migranten eine wichtige Funktion erfülle, beantwortete SPD-Fraktionschef Norbert Bing mit einer persönlichen Erklärung: Den Vorwurf, das „Nein“ der SPD sei nur eine Retourkutsche für die Ablehnung der CDU zur Landesgartenschau, müsse er erneut heftig dementieren. „Die Halle passt nicht in diese Zeit“, fasste Bing die Haltung seiner Fraktion zusammen.

„Die FDP hat sehr stark mit sich gerungen“, leitete Wilinski-Röhr ihre Ausführungen ein, nachdem die Liberalen zunächst das Projekt aus Kostengründen abgelehnt hatten. Die FDP-Fronfrau hielt CDU und ASG vor, das Verfahren zu wenig transparent gestaltet zu haben. „Es ist heute kein hundertprozentiges ,Ja“, lautete ihr Schlusssatz.

Für die Linkspartei sagte Reiner Jenkel, dass es zu unterstützen sei, wenn man für ei­nen vergleichsweise kleinen Betrag eine neue Sporthalle bekomme, die energetisch auf dem neuesten Stand ist. Wer nach Einsparungsmöglichkeiten suche, werde beim beabsichtigten Neubau des Hallenbads am Standort „Berliner Park“ fündig. Für die Bürgerliche Mitte Ahlen (BMA) vermisste Matthias Bußmann indes eine solide Gegenfinanzierung. Für die Bündnisgrünen erklärte Petra Pähler-Paul, der Hauptnutznießer der Halle sei die ASG und eine derartige Bevorzugung eines Vereins sei unverantwortbar.

Bei der Abstimmung stimmten CDU, FDP und „Linke“ vermutlich für die Halle - SPD, Grüne und BMA dagegen. Die Enthaltung vermutete man bei den Freien Wählern, die sich in der Debatte nicht positionierten. (Weiterer Bericht folgt.)

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