Klassiker auf Rädern
Ein Traum in rot

Freitag, 05.11.2010, 16:11 Uhr

Greven - Es gab eine Zeit, da nannte Dieter Marx fast eine Handvoll Oldtimer sein Eigen. Nur fehlte dem selbstständigen Schaufenstergestalter und Beschrifter die Zeit, sich um alle seine Schätzchen ordentlich zu kümmern. Pflege, Wartung, die Fahrzeuge bewegen, Rallyes fahren, das wurde ihm mit vier multipliziert zu viel. Er trennte sich unter anderem von einem BMW 502 und behielt den Opel Kapitän (die WN berichtete) - und seinen Ford Mustang Cabrio.

Als ein Traum in Rot präsentiert sich diese automobile Legende, Baujahr 1966, und durch und durch amerikanisch. Das Chrom blitzt an der rassigen, schon optisch kraftvoll vorwärts strebenden Frontpartie mit dem charakteristischen Pferde-Emblem am Kühlergrill. Chrom blitzt an der Einfassung der Frontscheibe und an den seitlichen Trittleisten, am Armaturenbrett und sonst auch reichlich. In klassischem Rot stechen der Lack und das Kunstleder des Innenraums ins Auge. Und auch die Werte dieses Ur-Mustangs der ersten Baureihe passen zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die 4,7-Liter-Maschine unter der lang gezogenen Motorhaube erzeugt mit ihren acht Zylindern 225 PS (165 KW) Leistung und belegt den Anspruch der Ford Motor Company, mit der bis heute fortgeführten Mustang-Reihe ein Sportgerät zu bauen.

Den Tacho, der bis 140 Meilen pro Stunde (225 km/h) reicht, nutzt Dieter Marx allerdings nur knapp zur Hälfte. „In einem Cabrio ist alles über 100 Stundenkilometer doch Wahnsinn“, erklärt er seine Überzeugung. „Ein Cabrio ist für das gemütliche Fahren bei schönem Wetter“. Ob Ford das auch so gesehen hat, als man 1964 sein neues Sportcoupe mit großem Werbeaufwand auf den US-amerikanischen Markt brachte?

Dieter Marx jedenfalls lässt immer wieder mit großer Freude das elektrische Verdeck zurück schnurren, befestigt die - natürlich rote - Abdeckplane mit den Druckknöpfen, kurbelt alle Fenster herunter und dreht den Zündschlüssel. „Wenn der Acht-Zylinder blubbert . . .“, schwärmt er. Und es stimmt. Dieser Sound sagt unmissverständlich: Das ist kein Auto für den Familieneinkauf und es ist auch nie eines gewesen. Wenn das Drei-Gang-Getriebe schaltet, pendelt die Elvis-Puppe am Rückspiegel im Takt.

Dabei war der Mustang in keinem guten Zustand, als Dieter Marx ihn vor acht Jahren kaufte. Per Zufall kam er über einen Versicherungsmakler mit dem Verkäufer aus Mesum zusammen. Optisch war es ein Traumwagen, den wollte der passionierte Oldtimerfahrer haben. Aber technisch hatte sich die allzu lange Standzeit bereits gerächt: Alles Öl war verharzt, die gesamte Mechanik saß fest, die Membran der Benzinpumpe war ausgetrocknet. Eine Generalüberholung war fällig. Die hat sich gelohnt. „Seit acht Jahren habe ich technisch nie etwas an dem Mustang gehabt“, berichtet Dieter Mary mit Stolz. Nur eines: Nach der Generalüberholung machte er einen Wochenendausflug in die Niederlande - und kam auf blanken Rädern an. Während der Fahrt war das Profil der offensichtlich überalterten Reifen zerbröselt.

Selbst wenn einmal eine Reparatur oder Ausbesserung nötig wäre, müsste sich Dieter Marx keine Sorgen machen. „Es ist alles noch zu bekommen, von der Türverkleidung bis zur Zierleiste“, sagt er, „und man soll es nicht für möglich halten: Die Ersatzteile sind gar nicht so teuer, teilweise sogar billiger als für aktuelle Autos“. Für eine neue Stoßstange, gibt Marx ein Beispiel, sind nur knapp 200 Euro fällig. Ein Grund für die gute Ersatzteilversorgung dürfte sein, dass Ford allein von der ersten Baureihe in dreieinhalb Jahren knapp 1,3 Millionen Stück verkaufte. Entsprechend viele Exemplare des Klassikers sind noch auf den Straßen.

Ein musikalisches Denkmal wurde dem Ahnherrn der so genannten Pony-Cars übrigens bereits 1966 mit Wilson Picketts oft gecovertem Song „Mustang Sally“ gesetzt. Stücke dieser Art sind es auch, die Dieter Marx für die Ausfahrten einlegt. „Wenn ich abends nach Hause komme und mal Stress habe, setze ich mich in den Mustang, drehe zum Blubbern des V8 die Musik aus den 1960ern auf und rolle mit Tempo 30 über die Wirtschaftswege - danach bin ich die Ruhe selbst“, erzählt er.

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