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Prozess um Mordversuch aus gekränkter Ehre: Angeklagter räumt Schüsse ein

Donnerstag, 18.11.2010, 15:11 Uhr

Münster/Borken - Es war ein blutiges Beziehungsdrama, das am 8. Juni 2010 in Borken für großes Aufsehen sorgte. Ein 41-jähriger Mann hatte gegen 7.15 Uhr an der Fontanestrasse auf seine getrennt von ihm lebende Ehefrau mit einer Pistole mehrfach geschossen. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt, konnte aber durch eine Notoperation gerettet werden.

Der aus der Türkei stammende Mann hatte zuvor seiner 38 Jahre alten Frau aufgelauert. Als diese mit dem Fahrrad losfuhr, rammte er sie mit seinem Pkw und gab auf die am Boden liegende Frau drei Schüsse ab, die das Opfer in den Bauch trafen. Der zwölf Jahre alte Sohn des Ehepaars musste die Tat mit ansehen. Er blieb ebenso wie zwei weitere Kinder des früheren Paares im Alter von zehn und 15 Jahren unverletzt.

Es war ein Schock für die Nachbarn. Eine Frau hatte Schüsse gehört und war ans Fenster geeilt. Sie alarmierte die Polizei während ihre Eltern dem Opfer halfen. Die Nachbarin kannte den 41-Jährigen seit einigen Jahren. Er sei schon früher gegenüber seiner Frau aggressiv gewesen. Im Januar war dem Mann gerichtlich verboten worden, sich seiner Frau zu nähern.

Seit gestern muss sich der mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht Münster verantworten. Für den Staatsanwalt war das Motiv Eifersucht und gekränkte Ehre.

Zunächst wollte sich der 41-Jährige, der in Bochum bei Opel arbeitet, sich nicht an den Tathergang erinnern. Doch dann räumte er ein, dass er geschossen hat. „Eigentlich wollte ich nur in die Luft schießen. Sie sollte zu spüren bekommen, wie sie mit Menschen umgegangen ist. Ich wurde von ihr oft vor den Kopf gestoßen, aber ich liebe sie immer noch und würde sie wieder aufnehmen“, sagte der Angeklagte.

Er erklärte weiter, dass seine Frau auch öfters andere Männerbekanntschaften hatte. Er habe sie bei einem fremden Mann im Auto gesehen. Aus Enttäuschung sei er nach Bochum in ein Bordell gefahren. Dort habe er von Russlanddeutschen für 500 Euro die Waffe gekauft.

Für das Verfahren vor dem Landgericht sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird Mitte Dezember erwartet.

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