Das Weihnachtsland Thüringen
Lauscha ist Heimat der Christbaumkugel

Freitag, 24.12.2010, 10:12 Uhr

Lauscha / Thüringen - Busladungen mit Touristen erobern sommer- wie wintertags die Höhen und Täler des Thüringer Waldes. Ganz im Süden liegt das Städtchen Lauscha, das sich ebenso wie umliegende Ortschaften mit jahrhundertealter Glasfabrikationstradition tapfer in die Zukunft kämpft.

Kaum eine Lotto- oder Zeitschriftenbude, in der nicht ein Glasbläser sitzt und zum Beispiel farbige Kugeln für Haus und Garten anfertigt. Daneben gibt es traditionsreiche Großbetriebe, in denen der Besucher in der Glanz- und Glitzerwelt des bunten Glases stöbern und den fingerfertigen Glasbläsern bei ihrer kunstvollen Arbeit über die Schulter schauen kann.

Lauscha gilt als Wiege der Christbaumkugel . Doch wenn man sich den „Stammbaum“ der Glaskunst anschaut, dann ist die Tannenbaumkugel, die wir heute am Heiligen Abend wieder im Glanz des Kerzenlichtes bestaunen, ein vergleichsweise junges Glasprodukt in einer langen Kette. Seit 400 Jahren wird in Lauscha Glas geblasen.

Der südthüringische Ort wurde durch den Bau einer Glashütte überhaupt erst gegründet. Die Glasmacher Hans Greiner und Christoph Müller erhielten am 10. Januar 1597 vom Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die erbliche Konzession zum Betreiben einer Glashütte.

In Lauscha und Umgebung wurden Gläser aller Art gefertigt, von einfachen Gebrauchsformen für den normalen Haushalt, Butzenscheiben oder Apothekerfläschchen bis hin zu Prunkgläsern oder Pokalen, die durch Email-Malerei oder Glasschnitt für den Tisch der edlen Damen und Herren verfeinert wurden. Im Museum für Glaskunst kann man etwas über die unterschiedlichen Veredelungsformen der Gläser lernen. So wurden etwa Verzierungen in Form von Noppen oder Fäden aufgebracht.

Eine der wichtigsten Erfindungen der Lauschaer Glasproduktion ist das Glasauge, das dort 1835 erstmals hergestellt wurde und bis heute in der Augenprothetik eine segensreiche Rolle spielt. Das Glasauge ist damit übrigens älter als die Christbaumkugel.

Einer Legende zufolge stammt die Idee, farbige Kugeln aus Glas für den Christbaum herzustellen, von einem armen Lauschaer Glasbläser, der sich im Jahr 1847 die teuren Walnüsse und Äpfel für den Baum nicht leisten konnte. Belegen lässt sich diese Geschichte allerdings nicht. Schriftlich belegt ist die Herstellung von gläsernem Christbaumschmuck in Lauscha erstmals für das Jahr 1847. Nach der Errichtung des Gaswerks 1867 waren die technischen Voraussetzungen für eine Massenproduktion mit Hilfe der noch heute genutzten Gasbrenner geschaffen. Nun ging es steil bergauf. Schon bald eroberte der gläserne Christbaumschmuck, der das warme Licht der Kerzen reflektiert und Jung und Alt in seinen Bann zieht, die ganze Welt.

Bis etwa zum Ersten Weltkrieg hatten Lauscha und die umliegenden Gemeinden eine monopolartige Stellung für die gesamte Weltproduktion.

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