Dioxin
Skandal löst Ansturm auf Bio-Ware aus - Agrar-Experten warnen vor Hysterie

Donnerstag, 20.01.2011, 06:01 Uhr

Münster - Die Verbraucher reagieren auf den Dioxin-Skandal und kaufen immer mehr Bioprodukte. Experten warnen indes vor einer Hysterie im Zusammenhang mit einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch belastete Eier.

Nach Angaben des Bundesverbandes für Naturkost und Naturwaren ist allein der Verkauf von Bio-Eiern in den vergangenen drei Wochen um 50 Prozent gestiegen. Die Nachfrage nach Biofleisch hat um 30 Prozent zugelegt. In einigen Regionen werden die Bio-Eier bereits knapp.

Ein Trend, der auch im Münsterland zu beobachten ist. „Wir verzeichnen einen regelrechten Ansturm in unseren Märkten“, sagt Michael Radau , Vorstand der Superbio Markt AG in Münster. Die Verbraucher hätten ein extrem hohes Informationsbedürfnis hinsichtlich der Herkunft der Produkte. Vor allem bei Eiern, aber auch beim Geflügelfleisch gebe es erste Engpässe, die auch so schnell nicht beseitigt werden könnten. Radau: „Wir konnten uns ja nicht auf diesen Nachfrageboom einstellen.“

Experten der Landwirtschaftskammer und des Bundesamtes für Risikobewertung warnen derweil vor einer unangebrachten Hysterie im Zusammenhang mit dem Dioxin-Fund in Eiern und Schweinefleisch. „Die langfristige Aufnahme kleiner Dioxin-Mengen über die Nahrung ist wegen der allgemeinden Verbreitung von Dioxin-Verbindungen in der Umwelt unvermeidbar“, sagt Miriam Ewald, Sprecherin des Bundesamtes für Risikobewertung.

Sie nennt konkrete Vergleichszahlen: Ein Erwachsener, der 60 Kilogramm wiegt, hat eine im Körper vorhandene Dioxin-Gesamtmenge von 150.000 Picogramm (ein Picogramm entspricht einem billionstel Gramm). Die tägliche Aufnahme von Dioxinen durch Lebensmittel beträgt derzeit 60 bis 120 Picogramm. „Bei einem täglichen Verzehr von zwei belasteten Eiern, in denen der EU-Grenzwert um das Dreifache überschritten wird, ergäbe sich eine zusätzliche Aufnahme von 120 Picogramm.“

Agrarministerin Aigner verteidigte gestern ihr Vorgehen im Dioxin-Skandal und stellte die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen vor.

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