Diskussion mit Schauspieler Walter Sittler
"Stuttgart 21" und die Folgen - Debatte in der Bezirksregierung Münster

Montag, 24.01.2011, 10:01 Uhr

Münster - Nicht erst seit der Debatte um Stuttgart 21 sind Bürgerbegehren in aller Munde. Das Wort des Jahres 2010 war der „Wutbürger“. Aber wie viel Wutbürger steckt eigentlich in jedem von uns? Ist das Bürgertum neu erwacht? Diese und weitere demokratische Grundfragen sollten am Samstag in einer vom Verein „Debatte“ organisierten öffentlichen Diskussion mit Münsteranern diskutiert werden.

Neben CDU-Politiker Ruprecht Polenz , Mitglied des Bundestages, und Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller-Elverfeld war auch der beliebte Schauspieler Walter Sittler der Einladung in die Bezirksregierung gefolgt - Sittler gilt als eines der Gesichter des Protests gegen Stuttgart 21 und Erfinder des „Krachmacher“-Schwabenstreichs, in dem die Menschen ihrer Wut mit Lärm Luft machen.

„Es reicht einfach nicht mehr aus, Bürgern durch die Wahlmöglichkeit eine Stimme zu geben, vielmehr wird die Forderung nach einer anlassbezogene Beteiligung immer lauter“, stellte Feller-Elverfeld fest. Sie machte jedoch im gleichen Atemzug darauf aufmerksam, dass es öffentliche Anhörungen durchaus gebe und auch der Bürger einer Informationspflicht unterliege.

Die Forderung Sittlers, dass es neue formelle Verfahren zum aktiven Einbezug der Bürger schon vor einer endgültigen Entscheidung geben müsse, wurde vom 240 Personen starken Publikum geteilt. Während die ersten Fragen sich noch um den Stuttgarter Bahnhof drehten, wurden schon bald lokalpolitische Missstände kritisiert.

„Wem kann ich noch trauen?“ fragte eine Bürgerin. Dass Entscheidungen auf höherer Ebene geschehen, sei trotzdem richtig, befand Polenz, wenn man die Parteien „entkrusten“ würde, sehe er durchaus eine Möglichkeit, den Sachverstand und Effizienzwillen einer Verwaltung mit dem Entscheidungswillen der Bürger vereinen zu können, ohne Proteste loszubrechen.

„Die Politik und die Verwaltung werden aber niemals freiwillig auf ihre Entscheidungsmöglichkeiten verzichten“, warf Sittler ein, „die müssen wir uns schon holen“. Gerade der Zeit- und Effizienzdruck mache bei Großprojekten, die Generationen überdauern werden, gar keinen Sinn. Schlichtung sieht er hingegen nicht als möglichen Lösungsweg aus dem Dilemma. „Da waren die Züge in Stuttgart ja schon kurz vorm Zusammenstoß“, umschrieb er bildlich.

Sittlers Fazit: „Politiker, die sich Fehler nicht eingestehen können und die Beteiligung der Bürger verhindern, gehören abgewählt.“

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