Jazz-Festival Münster
Jodler, Blueser und Bläser - ein Fest für Experimente und Entdecker

Montag, 10.01.2011, 18:01 Uhr

Münster - Drei Tage ein volles Haus mit meist zufriedenem, immer neugierigem Publikum. Drei Tage voller überraschender Einblicke: Wer hören möchte, welche kreativen Entwicklungen und Konzepte im Jazz abseits des Mainstreams entstehen, der kommt am Internationalen Jazzfestival in Münster inzwischen nicht mehr vorbei.

Alle zwei Jahre stehen hier selten die ganz großen Stars auf den Städtischen Bühnen: Es sind die wenig bekannten Künstler, die ein Bild vom zeitgenössischen Jazz zeichnen. Da kommt dann nicht der hoch gelobte Piano-Star Yaron Herman aus Israel zum Zug, sondern sein Landsmann Omri Mor, der noch nicht einmal eine eigene CD veröffentlicht hat - zum Leidwesen der gut 1000 begeisterten Zuhörer.

Dieses Konzept, das der künstlerische Festivalleiter Fritz Schmücker zum Markenzeichen der münsterischen Jazz-Biennale gemacht hat, bietet auch am abschließenden Sonntag viel Platz für Experimentelles. Für das norwegische „Trio Pelbo “ etwa, die jungen Musiker verbinden Elektropop mit schweren Rockriffs - und suchen doch ihre Wurzeln im Jazz. Da ersetzt die Tuba sägende Gitarren - definitiv eine Horizonterweiterung für Instrument und Zuhörer.

Es folgt Volksmusik, nämlich das alpine Jodel-Liedgut. Der Österreicher Christian Muthspiel hat sich respektvoll an die musikalischen Traditionen seiner Kindheit gewagt und unterwirft sie abenteuerlichen Metamorphosen. Dass der Königsberger Jodler ganz eng am Blues liegt, der Hischauer Jodler gar als geschliffene Jazz-Ballade New Yorker Flair transportiert - Muthspiels internationale „Yodel Group“ arbeitet das frech heraus, vor allem dank des exzellenten Vibraphonisten Franck Tortiller.

Auf frech folgt brav. Frisch aus der Probe präsentiert der Schweizer Saxofonist Omri Ziegele seinen musikalischen Afrika-Exkurs erstmal mit der südafrikanischen Sängerin Siya Makuzeni. Sie singt sich schnell in die Ohren des Publikums - und hängt die Mitmusiker auf dieser Strecke ab. Die Interpretation von Don Cherrys „Terrestrial Beings“ wird das einzig prägnante Stück der neuen Formation, die ihr Profil noch finden muss.

Die von Schmücker verfolgte Dramaturgie ästhetischer Brüche leben die vier jungen Franzosen von „Rétroviseur“ als eigenes Motto aus. Sie setzen ihre Zuhörer der Dauerspannung aus, wie lange denn die schönen, lieblichen und mitreißenden Phasen anhalten, bevor sie in hochenergetischen Ausbrüchen der Musiker zerrieben werden. Ihr mitunter unkonventioneller Umgang mit Instrumenten öffnet eine spannende Nische für neue Entwicklungen im europäischen Jazz.

Gesittet indes endet das 23. Jazzfestival am späten Sonntagabend mit dem Quartett „Third World Love“ des israelischen Trompeters Avishai Cohen. Dass er einen prominenten namensgleichen Landsmann hat, der ein herausragender Jazz-Bassist ist, macht Cohen vergessen: Mit überspringender Spielfreude verarbeiten er und seine drei Musiker Motive der Weltmusik von Latin bis Klezmer in eingängigen Kompositionen.

Diese Combo funktioniert perfekt zusammen, das schafft Raum für viel spielerische Leichtigkeit. Ihr gefeiertes Konzert ist die letzte der vielen Entdeckungen, die Münsters Festival bereithielt.

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