Plagiats-Debatte
Guttenbergs Doktorarbeit: Ein Student weiß schon lange Bescheid

Dienstag, 22.02.2011, 06:02 Uhr

Münster - Das achtseitige Dokument, das sich auf der Festplatte des Computers von Michael Schwarz befindet, hätte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bereits vor sieben Monaten in Bedrängnis bringen können. Der 26-jährige Doktorand, Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Uni Münster, hat es selbst verfasst, nachdem er sich an einem Tag im Juni erst zu Guttenbergs Dissertation und danach einen Aufsatz des Tübinger Verfassungsrechtlers Martin Nettesheim zu Gemüte geführt hatte.

„Im Nettesheim-Text kamen mir auf Anhieb zwei Stellen bekannt vor“, erinnert sich Schwarz. „Ich legte Guttenbergs Dissertation daneben - und stellte fest, dass er sie wortgetreu übernommen hat.“

Allein an diesem Abend entdeckte er vier offenbar kopierte Textstellen. „Am nächsten Tag stand für mich fest, dass ich darüber einen Aufsatz schreiben muss.“ „Wortklau(b)erei?“ lautet der Titel der wissenschaftlichen - und politischen - Zeitbombe, die seitdem in seinem Arbeitszimmer tickte.

Vor einer Veröffentlichung schreckte er allerdings zurück. „Ich sprach mit meinem Doktorvater über meine Entdeckung. Er verwies auf die politische Brisanz - und riet mir, erst einmal einen wissenschaftlichen Text zu veröffentlichen.“ Schwarz entschloss sich, mit der Publikation bis zum Sommer 2011 zu warten.

Dass ihm nun andere zuvorgekommen sind, wurmt ihn nicht - im Gegenteil: Mit Blick auf das gewaltige Medienecho und die politischen Auswirkungen ist er regelrecht „froh“, nicht im Mittelpunkt der aktuellen öffentlichen Erregung zu stehen.

Warum er - offenbar - als Erster Hinweise auf ein Plagiat feststellte, darüber kann Schwarz nur spekulieren. „Vielleicht, weil das Thema von zu Guttenbergs Dissertation derzeit nicht en vogue ist.“ Seine Entdeckung bewertet der Doktorand daher als „Zufallstreffer“. Gleichwohl sei er von Anfang an überzeugt gewesen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis zu Guttenberg auch andere auf die Spur kommen.

„So sollte man wissenschaftlich nicht arbeiten“, fasst Schwarz mit zurückhaltender Deutlichkeit zu Guttenbergs Verhalten zusammen. „Schließlich ist Redlichkeit in der Wissenschaft ein hoher Wert. Wissenschaft lebt von Glaubwürdigkeit.“

Seine eigene Dissertation - Schwarz promoviert über europäisches Verfassungsrecht - will der 26-Jährige daher ohne jegliche Plagiats-indizien fertigstellen.

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