Karneval im Kreis Coesfeld
Nicht alle Tassen im Schrank: Karnevalisten nahmen Lokalpolitik aufs Korn 

Sonntag, 06.03.2011, 20:03 Uhr

Dülmen. Zur großen Prunksitzung des K&S-Karnevals verwandelte sich der ausverkaufte Saal des Kolpinghauses am Samstagabend in eine Außenstation des NASA-Weltraumbahnhofes Cape Canaveral. Eine Rakete nach der anderen wurde vom phantasievoll kostümierten Publikum gezündet und in den närrischen Dülmener Nachthimmel geschossen, sozusagen als lautstarker Dank für die tollen Leistungen der 78 aktiven Karnevalisten der Kolpingsfamilie und des Sängerbundes 1888.

Die Hauptrolle beim Feuerwerk der guten Laune mit Gesang, Tanz, parodistischen Sketchen, Büttenreden und reichlich Schunkelmusik der Band Motion spielte die Tanzgarde, die sich mit ihrem 26. Auftritt von ihrer Fangemeinde verabschiedete. Im Outfit der Boxenluder aus der Formel 1, mit dem Song „I´m so exited“ von den Pointer Sisters sowie mit dem Lied „One“ aus dem Musical „A chorus line“ sagten die sechs Damen endgültig „auf Wiedersehen“. Als kleine Zugabe präsentierten sie das WM-Lied Wakawaka gemeinsam mit den jungen Funken, die 2005 debütiert hatten und durchaus einmal in ihre Fußstapfen treten könnten.

„Goodbye“ hieß es auch nach der Büttenrede von Gerd Maas. Er nahm seinen Hut nach 25-jähriger Karnevalskarriere und stapfte als Dülmener Wanderer gemeinsam mit Gabi Osterkamp noch einmal durch alle Fettnäpfchen, die das kulturelle Leben der Stadt sowie die Lokal- und Kirchenpolitik anzubieten haben.

Ein „Hello“ hingegen gab es für die erstmals ins Rampenlicht tretenden sportlichen Dicken, dargestellt durch sechs Frauen von der kfd Heilig Kreuz, sowie für eine Gruppe des Sängerbundes. Letztere verlegten die Herrentoilette des Kolpinghauses kurzerhand auf die Bühne und kassierten für ihre feuchtfröhliche Stehpinkel-Nummer den donnernden Applaus der Jecken. Neben den wilden Dance Boys mit Showtänzen aus dem Musical „Footloose“ entfachte das überhaupt nicht hüftsteife Männerballett aus Lette viel Wirbel, bevor die Golden Girls als vollkommen untalentierte Hupfdohlen ein umjubeltes Kontrastprogramm zur Tanzgarde ablieferten. Aber was geht denn in der Residenz Sonnenschein ab? Einblicke in das wahre Leben einer Altenpflegerin gestatteten die Kolping-Jecken mit einer gekonnten Persiflage, und der bewährte Willi Teutemacher referierte als Aushilfe am städtischen Bauhof über den „Schnee von morgen“.

Den letzten Knüller des turbulenten K&S-Abends zauberte die unvergleichliche Mechthild Neuhaus-Overbeck als Dülmener Schutzengel Celine mit feinem französischen Akzent auf die Bühne. Sie erzählte unter anderem über ihre Erfahrungen mit Häuptling Silberlocke Jan Dirk und plauderte vor tobender Kulisse über Lisa, die acht Millionen gefunden und jetzt nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Nach über vier Stunden voller Gags und Pointen setzte Sitzungspräsident Hans-Willi Heeringa schließlich den Schlusspunkt. Zusammen mit allen Aktiven und einem Chor aus 300 Kehlen intonierte er das Dülmener Lied, ließ dann mehrere Tische kurzerhand wegräumen und startete eine ausgelassene Tanzparty.

Weitere Berichterstattung über die Veranstaltung mit Zitaten und Mitwirkenden in der DZ-Printausgabe von Montag.

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