Radioaktivität aus Japan erreicht Europa
Extrem feinfühlige Geräte messen strahlende Wolke

Mittwoch, 23.03.2011, 00:03 Uhr

Freiburg - Die Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) geben Entwarnung: Bislang wurde in Deutschland noch keine Radioaktivität aus Japan gemessen. Die Behörde geht aber davon aus, dass die Messfühler bis spätestens Ende März auch hiezulande erhöhte Strahlung messen werden. „Sobald erste Partikel an Radioaktivität Deutschland erreichen, wird das BfS die Bevölkerung umfassend informieren“, kündigte Sprecher Florian Emrich am Mittwoch an. Gemessen wird auf dem Schwarzwald-Berg Schauinsland bei Freiburg. Die Bundesamt für Strahlenschutz unterhält nach eigenen Angaben deutschlandweit 1800 Messstationen. Auf dem Schauinsland sind 25 besonders sensible Geräte installiert. Sie sind so genau, dass selbst kleinste Belastungen (Tausendstel Bequerel) festgestellt werden können. Erhöhte künstliche Radioaktivität wird schon jetzt gemessen. Dabei handelt es sich aber überwiegend um die Spätfolgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl, sagt der Leiter der Messstation, Erich Wirth . „Japan wurde bei uns noch nicht festgestellt.“ Gemessen wird rund um die Uhr die natürliche Radioaktivität, die durch das radioaktive Edelgas Radon aus dem Boden kommt. „Unsere Technik kann diese natürliche Radioaktivität von zusätzlicher künstlicher Radioaktivität unterscheiden“, sagt Wirth. Und dies über eine große Entfernung. Werden in der 700 Kilometer entfernten Atom-Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague Brennstäbe zerschnitten oder Betriebspausen eingelegt, wird dies auf dem 1284 Meter hohen Schauinsland registriert. Das Unglück in Japan haben die Freiburger Strahlenexperten im Blick - auch wenn hier noch nichts gemessen wurde. Die Freiburger Einrichtung ist eine von weltweit rund 80 Stationen dieser Art. „Wir erhalten die Daten unserer Kollegen und können daraus Rückschlüsse ziehen“, sagt Wirth. So hat die radioaktive Wolke bereits die USA erreicht. Die Luftströmungen sorgen für die weitere Verbreitung radioaktiver Partikel in Mitteleuropa. In den nächsten Tagen, so Wirth, werden sie auch in Deutschland sein. Dies sei aber kein Grund zur Beunruhigung. Aufgrund der großen Entfernung und der damit verbundenen hohen Verdünnung werden nur sehr geringe Mengen Radioaktivität erwartet, sagt Behördensprecher Emrich. „Sie werden keine gesundheitliche Gefahr für Menschen und Umwelt in Deutschland oder Europa darstellen.“ Die Strahlung könne nur von äußerst feinfühligen Messinstrumenten festgestellt werden. Und die Messergebnisse sollen umgehend veröffentlicht werden.

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