Wir sind Helden
Judith Holofernes: Zwischen Bühne und Babybett

Dienstag, 15.03.2011, 07:03 Uhr

Münster - Mit „Guten Tag“ schafften sie den Durchbruch, das Nachfolgealbum „Die Reklamation“ gehörte zu den meistverkauften Alben der Jahre 2003 und 2004. Am Mittwoch (20 Uhr) präsentiert die Band „Wir sind Helden“ in der Halle Münsterland ihr neues Album „Bring mich nach Hause“.

Mit Sängerin Judith Holofernes (34) sprach unser Redakteur Martin Kalitschke.

Mal wieder in Münster. . .

Judith Holofernes: Mit Münster verbinde ich immer gute Konzerte und ein gutes Publikum - das hier ja eher studentisch ist.

Du hast mittlerweile zwei Kinder. Sind die bei Eurer Tour mit dabei?

Holofernes: Ja, die sind immer dabei. Das war anfangs gar nicht so einfach. Es gibt ja nicht so viele Musiker, die da als Vorbild dienen können. Und dann sind Pola (der Vater der Kinder, d. Red.) und ich auch noch in der gleichen Band. Da kann nicht einer sagen: Ich bleibe heute mal zu Hause.

Aber mittlerweile hat sich alles eingespielt?

Holofernes: Ja. Wenn wir spielen, sind die Kinder im Tourbus und schlafen.

Damit fallen wohl die Aftershow-Partys flach.

Holofernes: Wenn ich auf Tour bin, bin ich tagsüber immer total abgeschlafft. Dann fühle ich mich immer erst direkt nach dem Konzert richtig gut. Drei Stunden brauche ich bestimmt, um wieder runterzukommen. Aber die Kinder schlafen zum Glück durch. Ein Problem ist es allerdings, dass sie sich immer wieder auf eine neue Umgebung einstellen müssen.

Wie bist Du eigentlich auf Deinen Künstlernamen gekommen?

Holofernes: Schon als Frühteenager musste ich mir immer von Onkeln und Tanten die Geschichte von Judith und Holofernes anhören (sie steht im Alten Testament: Judith tötete den Perserkönig Holofernes, schlägt seine Truppen in die Flucht und wird zur Heldin Israels, d. Red.). Mit 18 oder 19 dachte ich mir dann, es wäre doch schön, wenn man aus den beiden einen Namen machen könnte.

Euer Bandname soll auf David Bowies legendären Song „Heroes“ zurückgehen.

Holofernes: Genau genommen wussten wir gar nicht, welchen Namen wir annehmen sollen. Also verteilten wir auf Konzerten Zettel mit acht Alternativen, von denen das Publikum eine ankreuzen sollte. Aber Bowie ist definitiv ein Vorbild von uns.

Zwischendurch habt Ihr einige Songs auf Japanisch und Französisch rausgebracht. Mit Erfolg?

Holofernes: Japanisch war eine Spielerei. Wir wollten den Song in einer Sprache singen, bei der niemand auf die Idee kommt, dass ich sie beherrsche. Wir haben nicht im Traum daran gedacht, dort Fuß zu fassen. Dann hätten wir tatsächlich auf Tour gehen können, verzichteten aber schweren Herzens wegen der Kinder. Bei Französisch war das anders, das spreche ich auch. Aber auch da blieb wegen der Kinder nicht mehr Zeit. Wer weiß, vielleicht holen wir das nach, wenn sie groß sind.

Vor Kurzem habt Ihr Euch mit der Bild-Zeitung angelegt. Mit einem deftigen offenen Brief habt Ihr eine Anfrage abgelehnt, an der Bild-Werbekampagne teilzunehmen.

Holofernes: Es war mir eine Freude! Ich kenne viele Leute, die mit der Bild-Zeitung schlechte Erfahrungen gemacht haben. Bild-Journalisten kann ich zehn Meter gegen den Wind riechen, sie fallen am ehesten durch schlechtes Benehmen auf.

Euer Honorar wäre von der Bild-Zeitung für einen guten Zweck gespendet worden.

Holofernes: Das ist doch nur ein Ablenkungsmanöver. Die Höhe der Spende ist nur ein Bruchteil von dem, was man sonst für eine solche Werbung bekommen würde.

Ihr werdet immer wieder als Wegbereiter einer „Neuen neuen deutschen Welle“ gefeiert. Zu recht?

Holofernes: Das ist total falsch. Es gab doch schon vor uns viele deutsche Bands. Nein, wir haben keine Welle losgetreten. Aber vielleicht haben wir ja ein bisschen den Wiedereinzug deutschsprachiger Musik in die Radios eingeläutet.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/133641?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F594850%2F596019%2F
1100 vertrauliche Mails mitgelesen
Das Auslesen des Passwortes machte es möglich, sich Zugriff auf das Mailkonto des Greveners zu verschaffen. Der Täter soll pikanterweise ein Familienmitglied sein.
Nachrichten-Ticker