Blinder Patient
Mit OP-Hemd und Infusionskanüle aus Krankenhaus entlassen

Samstag, 02.04.2011, 02:04 Uhr

Rheine . Es klingt wie die Handlung eines schlechten Films, für Heinz A. (Name von der Redaktion geändert) wurde sie am Donnerstag Realität: Mit einer Infusionskanüle im Arm und EKG-Elektroden auf dem Oberkörper, nur in ein OP-Hemd gekleidet, wurde der blinde 83-Jährige mit dem Krankenwagen aus dem Mathias-Spital nach Hause gebracht. Er sei „mit den Nerven am Ende“ gewesen, sagt A.

Der 83-Jährige ist seit vier Jahren blind, was die Erlebnisse vom Donnerstag für ihn noch mehr zu einer Tortur werden ließ. Die Kanüle und die EKG-Elektroden wurden - erst nach einem Anruf - von einer Krankenschwester zu Hause entfernt.

Am vergangenen Mittwoch war A. zu einer Routineuntersuchung ins Mathias-Spital gekommen, er hat einen Herzschrittmacher. Während des Besuchs kollabierte er jedoch. Das medizinische Personal im Mathias-Spital entschied sich, den Patienten stationär aufzunehmen. Am Tag danach sollte A. dann zur weiteren Behandlung in die geriatrische Klinik in das Jakobi-Krankenhaus verlegt werden. Das aber lehnte A. ab, wollte auf eigenen Wunsch nach Hause. Daraufhin organisierte das Mathias-Spital einen Krankenliegendtransport. Die weitere Geschichte ist bekannt.

A. und seine Familie sind immer noch außer sich vor Wut. Da sei eine Menge schief gelaufen, behauptet der Sohn im Gespräch mit unserer Zeitung. „So kann man doch nicht mit Patienten umgehen“, meint er wütend. Schon vor dem Transport habe das Pflegepersonal seinem Vater das Frühstück einfach so vor die Nase gestellt, obwohl sein Vater doch blind sei. „Das Mathias-Spital sieht mich nicht wieder“, kündigt Heinz A. an.

Kurz vor dem Heimtransport habe seine Frau dem Krankenhaus angeboten, vorbeizukommen und zu helfen, ihn sogar abzuholen. Das sei aber seitens des Mathias-Spitals abgelehnt und stattdessen ein Krankentransport geordert worden.

Das Mathias-Spital versucht erst gar nicht, den Fall herunterzuspielen. „Da ist ein Fehler passiert“, bedauert der leitende Oberarzt der Kardiologie, Dr. Karl-Theo Vollmers . An diesem Tag habe das Krankenhaus sehr viel zu tun gehabt. „Trotzdem darf so etwas nicht passieren.“ Er werde die Vorgänge nun im Team besprechen und dann über weitere Konsequenzen beraten. Er versicherte, dass alles getan werde, damit so etwas zukünftig nicht mehr passiere. Inzwischen hat das Mathias-Spital sich bei A. entschuldigt.

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