Rot Weiss Ahlen
Jenseits von Afrika

Donnerstag, 28.04.2011, 22:04 Uhr

Ahlen - So wie ein Spiel oft erst in der Schlussphase entschieden wird, so kamen Mittwochabend bei der Mitglieder-Infoveranstaltung von Rot-Weiß Ahlen auch erst auf den letzten Drücker und nicht ganz freiwillig die Karten auf den Tisch. Aufsichtsratschef Bernd Mehring war mit der Absicht vor die rund 50 Mitglieder getreten, „sachlich und aus erster Hand zu informieren“.

Genau das aber taten die Oberen des Fußball-Drittligisten nicht von sich aus. Es erforderte erst diverse kritische Nachfragen aus dem Plenum, ehe - mal abgesehen vom vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Mönig - wenigstens Rainer Kaderka Tacheles sprach.

„Mit unserem Potenzial schaffen wir nicht mal die Landesliga. Wir müssen wieder dahin, wo wir herkommen“, erklärte Aufsichtsratsmitglied Kaderka unmissverständlich. Mit Profi-Fußball in Ahlen dürfte nach dieser Saison endgültig Schluss sein.

Zwar ist der Spielbetrieb bis Saisonende sichergestellt, doch es fehlen rund 1,6 Millionen Euro, um die Gläubiger zu befriedigen. Obendrein bräuchte Rot-Weiß für die Regionalliga einen Etat von ca. 2,8 Millionen Euro. Dementsprechend fehlen dem Verein mehr als 4,5 Millionen Euro, um in der kommenden Saison in der Regionalliga anzutreten. Für die Dritte Liga läge der Etat sogar über drei Millionen Euro.

„Vielleicht sind wir zu naiv und blauäugig an die Sache rangegangen. Wir hätten erkennen müssen, dass Profi-Fußball in Ahlen nicht machbar ist“, räumte Vizepräsident Jörg Hellwig ein. Auf die Frage, wie es überhaupt zur Zahlungsunfähigkeit des Clubs und zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kommen konnte, gaben jedoch weder er noch seine Kollegen aus Vorstand oder Aufsichtsrat Auskunft.

Michael Mönig aber sprach von „gröbsten Verstößen“ des Vereins, die der DFB aufgedeckt hätte. „Der Verein hat dem DFB bei der Lizenzierung Verträge vorgelegt über zwei Millionen Euro von einer Gesellschaft aus Namibia. Diese Gesellschaft hat aber nie existiert“, stellte Mönig klar.

Mit viel Wohlwollen habe der DFB von einer härteren Strafe als den Abzug von drei Punkten abgesehen. Für dieses Vergehen wollte seitens des Vorstandes am Donnerstag niemand Verantwortung übernehmen, da die Verträge mit der namibischen Gesellschaft einzig und allein von Heinz-Jürgen Gosda unterzeichnet wurde. „Das bedarf einer juristischen Aufarbeitung“, hob Michael Mönig hervor.

Jenseits von Afrika sind sich die RW-Macher indes keiner Schuld bewusst. „Wir können uns alle keine Vorwürfe machen“, beschönigte Jörg Hellwig. Das Plenum aber konterte, ließ sich nicht einfach beschwichtigen. Thomas Schneider konstatierte: „Keiner ist bereit Verantwortung zu übernehmen. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand offensichtlich nicht kontrolliert.“

Auch Norbert Gosda hielt dagegen: „Jeder im Aufsichtsrat wusste Bescheid, was da gelaufen ist.“ Daraufhin räumte Rainer Kaderka immerhin ein: „Uns sind einige Zahlen serviert worden, die nicht ganz gepasst haben. Heinz-Jürgen Gosda ist vielleicht ein bisschen zu weit gegangen.“ Zugleich urteilte Kaderka: „Keiner im Vorstand hat sich bereichert und auch nur eine müde Mark in die eigene Tasche gesteckt. Wir haben Millionen bezahlt und haben richtig geblutet, bis wir gemerkt haben, dass auch das nicht reicht.“

Rot-Weiß Ahlen steht demnach - strukturell wie personell - vor einem Neuanfang. „Wir sind verbrannt, richtige Chaoten, haben einen schlechten Namen. Es müssen neue Leute her“, erklärte Rainer Kaderka in der ihm eigenen Art, die kein Blabla zulässt.

Auch Jörg Hellwig enthüllte: „Wir werden den Weg frei machen. Es können andere ans Ruder, die die Sache wahrscheinlich besser machen als wir.“ Die Frage ist nur, ob es in zwei Monaten überhaupt noch ein Schiff geben wird, das gesteuert werden muss. . .

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