Widerstand gegen Gasbohrungen
Protest statt Podium: Exxon-Gegner schlagen Gesprächseinladung aus

Donnerstag, 07.04.2011, 20:04 Uhr

Münsterland - Mehrere Hundert Menschen haben am Donnerstag gegen geplante Probebohrungen im Münsterland demonstriert. In Nordwalde , Borken, Drensteinfurt und Herbern gingen Gegner des umstrittenen Fracking-Verfahrens auf die Straße.

Sie befürchten eine Vergiftung ihres Trinkwassers, weil bei der geplanten Förderung des Gases Wasser und Chemikalien mit großem Druck in die Erde gepresst werden, um das Erdgas aus dem Gestein zu lösen. Der Termin war nicht zufällig gewählt: Exxon Mobil hatte zu am Donnerstag zu einem Runden Tisch eingeladen, doch die Bürgerinitiativen hatten das Angebot ausgeschlagen, weil sie nur an Gesprächen teilnehmen wollen, die von neutraler Seite organisiert sind. Stattdessen protestierten sie.

Prominentester Unterstützter der über 300 Demonstranten in Nordwalde war der Chef von Gelsenwasser, Manfred Scholle. Der forderte eine Änderung des Bergrechts. Mathias Elshoff, Sprecher der Nordwalder „Interessengemeinschaft gegen Gasbohren“ (IGGG) sprach von einem „Aufstand in Westfalen“ und bekräftigte: „So kann man mit uns nicht umgehen.“

Borken gilt gemeinhin als die Stadt der Türme und „sie soll nicht zur Stadt der Bohrtürme werden“, sagt Jürgen Kruse , Sprecher der Initiative gegen das Gasbohren. Dort trafen sich rund 150 Gegner auf dem Marktplatz, denn auch in der Bauerschaft Borkenwirthe könnte das US-Unternehmen bohren. „Wenn es um unser Trinkwasser geht, gibt es keine Bagatellunfälle“, weist Kruse auf Pannen hin, die Exxon bereits passiert seien.

Mit Trillerpfeifen, Rasseln und dem tausendfach per Megafon wiederholten Slogan „Münsterland statt Gasland“ zogen rund 200 Drensteinfurter Bürger durch ihre Stadt, um gegen die Bohrungen nach unkonventionellem Erdgas zu demonstrieren. Auf Plakaten drückten sie ihre Angst vor dem Fracking aus. „Kein Gift in unsere Erde“ oder „Keine Chemie in unsere Erde - wir wehren uns“ war auf den Plakaten zu lesen. Stefan Henrichs, Vorsitzender der Drensteinfurter „Bürgerinitiative gegen Gasbohren“, forderte unter dem Jubel der Demonstranten: „Stoppt den Wahnsinn“ und warb für regenerative Energien

Fast 20 Jahre war es ruhig in Herbern. Erstmals seit dem Protest gegen eine Giftmülldeponie in der Nachbarstadt gingen gut 100 Bürger gestern wieder auf die Straße. Aufgerufen von der Bürgerinitiative für sauberes Trinkwasser (BIST) beteiligten sich Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen an dem Protest gegen das Fracking. Das kostbare Gut, das die Demonstranten mit der Aktion und vielen weiteren Aktivitäten schützen wollen, nahmen sie in einem Fass mit auf die Runde durch das Dorf - in einem Wasserfass.

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