Aggressionen und lange Schlangen
Spannung unter Sprit-Sparern steigt

Montag, 23.05.2011, 20:05 Uhr

Ahlen - Preise fallen, Schlangen wachsen und der Sprit fließt zum Dumpingpreis. Montags ist Tanktag. Und diesmal auch Filmtag an Ahlens sprudelnden Ölquellen. Was vor einer Woche in unserer Zeitung stand, soll jetzt auch landesweit über die Bildschirme flimmern: Mehrere Kamerateams sind in Folge der lokalen Berichterstattung am Mittag angereist, richten ihre Objektive auf den Wochenansturm, als gebe es den Liter Sprit nirgendwo billiger. Hamm liegt zeitgleich vier Cent drüber, Münster, so ein aufgeweckter Anrufer, sogar zehn.

Eckhard Bendix hat sich den Tag fürs Fernsehen freigehalten. Etliche Eintragungen im Terminkalender, mehrere Runden über den Hof, ins Büro und an die Kasse, während es auf dem Platz brummt. Mal erzählen, mal Ölstand messen, mal am Bildschirm zeigen, wo die Konkurrenz gerade steht. Die reduziert genauso munter wie er. Am Mittag ist der Literpreis mit 1,46 Euro „super“. Während Bendix einen Kollegen als Ordner abgestellt hat, um die vorfahrenden Fahrzeuge an die Zapfsäulen zu navigieren, spielt sich bei „BFT“ an der Hammer Straße die Einbahnstraßenregelung ein. Rahmi Akbulut hat auf den Ansturm der vergangenen Wochen reagiert: Rechts rein, links raus. Klare Strukturen, eine Linie. Das soll helfen, Schlangen auf der „Hammer“ zu glätten, gleichwohl aber auch Spannungen unter denen Foto:

abzubauen, die sonst nicht mehr vom Hof kämen, weil sich alle irgendwie im Weg stehen.

„Montag ist der schlimmste Tag der Woche. Das wird immer heftiger“, sagt der 30-Jährige. „Manche Kunden drehen hier regelrecht am Rad.“ Glücksgefühle über ein paar Cent Gespartes verpuffen, wenn der Vordermann nicht schnell genug weiterfährt, der Hintermann zu nah drauf ist oder ein anderer die Ruhe weg hat, um den letzten Stoß noch in den Tank zu tröpfeln. „Manche schreien sich an, manche drohen mit Schlägen“, schüttelt Rahmi Akbulut verständnislos den Kopf. Einige Male sei es zu Beinahe-Auffahrunfällen gekommen.

Während die Schlangen vor Zapfsäulen und Kasse nicht abreißen, klingelt das Telefon. Einige Stammkunden scheinen die Nummer gespeichert zu haben und rufen in fröhlicher Vorfreude durch, um zu erfahren, ob die Gelegenheit gerade günstig ist.

Auch wenn die Kasse im Non-Stop-Betrieb Tankbelege ausspuckt, auf seine Kosten kommt Rahmi Akbulut kaum. „Am Sprit verdienen wir nichts“, lässt er nüchtern wissen. Wohl aber am Shop und der Waschstraße. Erst die Tüte Chips zum vollen Tank bringe 30 Cent. An den Preisen selbst kann er nichts machen. Die bewegen sich von allein, während er munter über den leidigen Montag erzählt. Die Rheinland-Kraftstoff-GmbH in Gelsenkirchen spielt per Fernsteuerung an der Preisspirale.

„Am Dienstag ist tote Hose. Dann ist man zwei Tage restlos platt“, gesteht der „BFT“-Pächter. In der Zwischenzeit geben seine Kunden Gas, um pünktlich am nächsten Montag wieder mit leeren Tanks in der Schlange zu stehen. Einige haben unterdessen den Sonntag für sich entdeckt. Mit zwei Cent Aufschlag, aber mit der Muße, den getankten Gewinn genüsslich sacken lassen zu können. Foto:

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