Forensik
Maßregelvollzugsklinik in Amelsbüren eingeweiht

Mittwoch, 11.05.2011, 20:05 Uhr

Münster-Amelsbüren - Es gehört schon ein besonderes Gespür für beide Seiten dazu, in einer Feierstunde zur Einweihung einer Forensikklinik den Fokus auf die Opfer der Straftaten zu richten. Also die Opfer, die „in ihrer Würde zutiefst verletzt wurden“ durch die Taten von Menschen, die Insassen der Maßregelvollzugsklinik sind. Oberbürgermeister Markus Lewe war das ein besonderes Anliegen.

Der Oberbürgermeister weiß, dass die Eröffnung der Forensikklinik für viele Menschen insbesondere in Amelsbüren kein Grund zur Freude oder gar zum Jubel ist. Doch zehn Jahre intensiver Debatte sind nicht spurlos vergangen. Protestplakate an den Straßenrändern sind längst verschwunden, die Bezeichnung des Autobahnanschlusses hat gegenwärtig eher das Zeug für ein Aufregerthema.

„Wir gehen heute anders mit dem Thema Forensik um als vor zehn oder elf Jahren“, bekannte Lewe. „Wir haben gelernt.“ So dankte der Oberbürgermeister den Alexianern, dass sie sich Menschen zuwenden, die andere als hoffnungslose Fälle abstempeln.

„Die Liebe Christi treibt uns an“, zitierte Provinzial- Bruder Benedikt M. Ende das Motto der Alexianer-Brüdergemeinschaft, um die Motivation zu beschreiben, die Trägerschaft einer Forensikklinik zu übernehmen. Die Alexianer kümmern sich seit 800 Jahren um Menschen am Rande der Gesellschaft. Heute hätten Menschen im Maßregelvollzug „besonderes Mitleid“ verdient.

Welche Bedeutung die katholische Kirche dieser Arbeit beimisst, zeigt die Tatsache, dass Bischof Dr. Felix Genn persönlich die Kapelle auf dem Klinikgelände einweihte. Im Altar wurden zudem Reliquien Kardinals von Galen hinterlegt.

Die besondere Kompetenz der Alexianer im Umgang mit psychisch Kranken war vor mehr als zehn Jahren der Grund für die Landesregierung, die Spezialklinik für 54 intelligenzgeminderte Straftäter an diesem Ort anzusiedeln. Außerdem lobte Gesundheitsministerin Barbara Steffens, Orden und die Klinikleitung hätten es durch offenen Dialog geschafft, Ängste der Bevölkerung allmählich in den Hintergrund zu rücken.

Mit dem Konzept der dezentralen Unterbringung stelle man eine „regionale Verteilungsgerechtigkeit“ her, sagte die Ministerin, die andeutete, dass weitere Forensikkliniken nötig seien.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/239359?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F594850%2F595944%2F
Nachrichten-Ticker