Politik Ausland
Bin Laden trug nur ein Nachthemd

Mittwoch, 04.05.2011, 18:05 Uhr

Washington - Osama bin Laden war nicht bewaffnet, als er starb. Und er nutzte auch nicht eine seiner Ehefrauen als menschliches Schutzschild. Seit das Weiße Haus am Dienstagnachmittag (Ortszeit) seine Darstellung des Todes des Terror-Paten in einem zentralen Punkt offiziell korrigieren musste, wächst die Kritik in den US-Medien an der Öffentlichkeitsarbeit des Präsidenten. Denn hatten in den ersten 48 Stunden nach der Erfolgsmeldung aus Pakistan noch Jubel und stolze Gesichter in der Obama-Mannschaft das Bild geprägt, so geraten die Top-Berater des Präsidenten mehr und mehr in die Defensive.

In den Vordergrund rückt dabei die Kernfrage, warum das Einsatzkommando nicht doch eine Festnahme versucht habe - wobei Obama-Sprecher Jay Carney und CIA-Chef Leon Panetta mittlerweile die Argumentation präsentieren: Der Gesuchte sei „nicht bereit gewesen aufzugeben“ (Carney) und habe „einige bedrohliche Bewegungen“ in Richtung der Soldaten gemacht“ (Panetta).

Doch überzeugend wirkt das nicht - zumal bisher weitere Erklärungen ausblieben, wie genau sich Bin Laden denn zur Wehr gesetzt hatte. Am Körper trug er angeblich nur ein Nachthemd und 500 Euro Bargeld.

Aufgewacht sind nun auch die US-Medien, die zunächst den Ablauf der Ereignisse überwiegend unkritisch begleitet und die bisherige Version eines „Feuergefechtes“ (so Obama-Berater John Brennan) geschildert hatten, die implizierte: Bin Laden hatte eine Waffe in der Hand. Das Magazin „Time“ zählte nun jedoch gestern die „größten Fehler“ im Weißen Haus nach der Tötung Bin Ladens auf - und nennt an erster Stelle die Widersprüche in der Darstellung der Aktion.

Diese „überraschenden“ Pannen kämen nun zu einem hohen Preis: Andere Details des Einsatzes würden nun infrage gestellt, und weltweit erhielten Verschwörungs-Theoretiker und Zweifler Rückenwind.

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