Diskussion um Umbenennung
Historiker lassen keinen Zweifel an den NS-Verstrickungen Hindenburgs

Donnerstag, 23.06.2011, 04:06 Uhr

Münster - „Wenn ich lese, Hindenburg sei ein Gegner der Nazis gewesen, dann sträuben sich mir die Nackenhaare.“ Der Historiker Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer nahm am Mittwoch gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Alfons Kenkmann Stellung zu der aktuellen Diskussion über die geplante Umbenennung des Hindenburgplatzes.

Eine konkrete Entscheidung über eine Umbenennung sei Aufgabe des Rates, so die beiden Historiker. Ihre wissenschaftliche Einschätzung des früheren Reichspräsidenten Hindenburg indes war klar, um nicht zu sagen vernichtend.

Laut Thamer zählt Hindenburg zu den „Steigbügelhaltern Hitlers“. Die „aktive Mitwirkung an der Zerstörung der Weimarer Republik“ sei erwiesen, die „aktive Mitwirkung“ an der Etablierung der NS-Diktatur auch.

Kenkmann ergänzte, dass im März 1933 Wahlplakate gedruckt wurden, die Hitler und Hindenburg zeigen. Ein Protest des Reichspräsidenten gegen diese Plakate sei nicht bekannt. Nicht bekannt sei auch, dass Hindenburg etwas gegen den ersten Judenboykott der Nazis unternommen habe. Bekannt sei hingegen eine Radioansprache Ende 1933, in der Hindenburg Hitler überschwänglich lobe.

Die Frage, ob diese historischen Einschätzung eine Umbenennung rechtfertige, beantworteten die beiden Historiker indirekt mit ja. Am liebsten wäre ihm, so Thamer, die Straßenschilder mit Hinweisen auf die Verfehlungen Hindenburgs zu ergänzen. Kenkmann ergänzte, dass ein solches Vorgehen aber nicht praktikabel sei, „da dieses Zusatzschild sehr groß werden müsste“.

Thamer und Kenkmann gehörten ebenso wie Parteienvertreter und Vertreter der Stadt einer Kommission an, die sich unter Leitung von Oberbürgermeister Markus Lewe mit NS-belasteten Straßennamen in Münster beschäftigte. Das Votum für eine Umbenennung des Hindenburgplatzes sei bei einer Gegenstimme gefasst worden, berichteten die Historiker gestern. Von wem diese kam, sagten sie nicht.

Einstimmig votierte die Kommission für die Umbenennung von Straßen, die nach Personen benannt sind, deren enge Verbindung zum NS-System als erwiesen gilt: Carl-Diem-Weg, Jöttenweg, Agnes-Miegel-Straße, Pfitznerstraße, Franz-Ludwig-Weg, Wagenfeldstraße, Castelleweg und Stehrweg.

Nicht umbenannt werden sollen der Humborgweg, der Stühmerweg und der Heinrich-Lersch-Weg. Zuständig sind in diesen Fällen die Bezirksvertretungen.

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