EHEC-Bakterien nachgewiesen
Verseuchte Sprossen über Großhändler aus Hamm geliefert

Freitag, 10.06.2011, 16:06 Uhr

Düsseldorf/Berlin - Der Beweis ist erbracht: In Nordrhein-Westfalen sind erstmals EHEC-Bakterien des aggressiven Typs O104 auf Sprossen gefunden und nachgewiesen worden. Die Ware stammt von dem unter EHEC-Verdacht stehenden Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel .

Lebensmittelkontrolleure fanden die geöffnete Packung in der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis. „Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder haben Sprossen verzehrt und sind Mitte Mai an den EHEC-Bakterien erkrankt“, sagte ein Ministeriumssprecher. Damit wurde ein direkter Zusammenhang zwischen den infizierten Sprossen, dem Hof in Bienenbüttel und der gefährlichen Krankheit nachgewiesen.

Die verseuchten Sprossen waren nach Angaben des Düsseldorfer Verbraucherschutzministeriums über einen Großhändler aus Hamm geliefert worden. Das berichtete ein Sprecher am Freitag. Nähere Angaben zu dem Unternehmen wollte der Sprecher nicht machen.

Konsequenz: Die Warnung vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Blattsalate wurde offiziell aufgehoben. „Dieses Gemüse sind als Quelle für die schweren EHEC-Darminfektionen ausgeschlossen. Es sind die Sprossen“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger. Die Eingrenzung auf Sprossen als einzige Quelle war anhand ausführlicher Befragungen der Patienten und der Auswertung von Lieferdokumenten möglich. Voraussetzung dafür war die Verfügbarkeit einer ausreichenden Zahl von Restaurantkunden.

Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden. Es gebe weiterhin Neuerkrankungen, auch wenn deren Zahl zurückgehe. Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, riet den Verbrauchern, Sprossenvorräte zu vernichten.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) hatte zuvor den Bio-Betrieb in Bienenbüttel als „die Spinne im Netz“ bezeichnet. Offenbar hätten mindestens 80 Opfer der Seuche in ganz Deutschland Sprossen zu sich genommen, die dort gezogen wurden. Der Hof ist jetzt komplett gesperrt. Laut RKI kann noch nicht ausgeschlossen werden, dass der EHEC-Erreger über Menschen in den Betrieb getragen wurde. Auch Wasser, Vorlieferanten oder Saatgut könnten es gewesen sein.

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