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Ein mehrdeutiger Familienname

Freitag, 24.06.2011, 15:06 Uhr

MV-Leser Alexander Rösener fragt sich, ob seine Vorfahren Gärtner beziehungsweise Rosenzüchter waren. Der Nachname Rösener wird von rund 1500 Personen getragen und rechnet damit zu den häufigen Familiennamen.

Der Name ist fast in allen Regionen Deutschlands anzutreffen, Konzentrationen zeigen sich vor allem in den Ballungsgebieten Berlin, Hamburg und Rheinland/Ruhrgebiet, was auf Zuzug aus den ehemaligen Ostgebieten deutet. Ferner findet sich Rösener vielfach im Nordwesten, insbesondere in Ostwestfalen.

Diese Streuung des Namens deutet auf Mehrfachentstehung in voneinander unabhängigen Fällen. Tatsächlich ist der Name mehrdeutig.

In vielen Fällen wurde Rösener als Herkunftsname vergeben, wobei die meist mehrfach existierenden Orte Rosen (Schlesien, Ost- und Westpreußen), Rosenau (Rheinland, Württemberg, Bayern, Schlesien, Sudetenland, Ost- und Westpreußen), Rosenow (Brandenburg, Mecklenburg, Pommern) und Rossen (Ostpreußen) namensgebend sein konnten.

Bei den Orten namens Rosen sind die Herkunftsnamen Rosener und, mit Umlaut ö, Rösener, und die verkürzten Formen Rosner/Rösner unmittelbar als Ableitungen mit -er einleuchtend. Aber auch zu den Orten Rosenau können diese Namen gehören. Es gibt zwar auch den Familiennamen Rosenauer, bei dem -er an den Ortsnamen Rosenau angetreten ist.

Es lassen sich aber etliche Fälle finden, bei denen die Herkunftsnamen zu Orten auf -au neben oder anstatt der Endung -auer die verkürzte Endung -er aufweisen, zum Beispiel Daus(e)ner zu Dausenau, Lang(e)ner zu Langenau, Leisner zu Leisenau, Murner zu Murnau, Reich(e)ner zu Reichenau, Teich(e)ner zu Teichenau. Zu einem der drei böhmischen Orte Rosenau gehört der frühe Beleg „Henrich Rosener“ (1330 in Aussig/Nordböhmen).

Auch zu den Orten Rosenow konnten die Herkunftsnamen Rosenauer und Rosener/Rösener gebildet werden, denn die slawische Endung -ow wurde oft als -au eingedeutscht, wie etwa die Namenpaare Bülau/Bülow, Grabau/Grabow, Prenzlau/Prenzlow, Rathenau/Rathenow und viele andere zeigen.

Bei den im Nordwesten beheimateten Familien Rösener handelt es sich nicht um Herkunftsnamen, weil die infrage kommenden Orte zu weit entfernt liegen.

Es ist auch unwahrscheinlich, dass der Familienname schon vor 500 Jahren aus dem Süden oder Osten zugewandert ist: In Lohne-Bokern (Kreis Vechta) ist bereits 1498 der Hofinhaber „Albert Rosener“ bezeugt (später lautet der Name Rösener).

Im niederdeutschen Gebiet kann die Bezeichnung der Kalkröste zugrunde liegen, die im Mittelniederdeutschen „rose, röse, rüse“ hieß. Dies waren abwechselnd mit Brennholz geschichtete Kalksteine zum Brennen des Kalks.

Zu den Wortformen rose/röse konnte ein Berufsname Rosener/Rösener gebildet werden, mit dem der Betreiber einer Kalkröste bezeichnet wurde. Die Endung -ner ist dann als seltenere Variante der Endung -er anzusehen, wie dies bei anderen Namen auch nachzuweisen ist.

Ganz entsprechend konnte überall im deutschen Sprachgebiet der Name Rosener/Rösener vom Blumennamen Rose abgeleitet werden und den Rosengärtner oder -händler benennen.

Winfried Breidbach

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