Lenz Musik
Ganes: Weltläufiger Pop auf Ladinisch

Dienstag, 21.06.2011, 13:06 Uhr

Hamburg - «Mai guai» - kein Problem. So heißt die aktuelle CD des Frauen-Trios Ganes ins Deutsche übersetzt. Denn die drei Vollblutmusikerinnen singen in ihrer Muttersprache, dem Ladinischen . Wer Ganes hört, braucht den Text nicht zu verstehen. Ihre Stimmen betören, ihr Klang geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Diese Musik zu mögen, ist kein Problem.

Ganes sind Elisabeth, Marlene und Maria. Zwei Schwestern und die Cousine - aus dem Südtiroler Dolomitenort La Val am Fuße der Kreuzkofelgruppe, wo Ganes eigentlich Wasserwesen aus der ladinischen Mythologie sind, magische Bachbewohnerinnen, Feen und Hexen in einem. Das musikalische Trio, das seine Songs selbst textet und vertont, spielt weltläufige anschmiegsame Popmusik. Nur eines sind ihre Lieder nicht, auch wenn sie wegen des Ladinischen oft in diese Schublade gesteckt werden: Neue Volksmusik.

Nur noch rund 30 000 Menschen in den engen Tälern Alta Badias sagen «mai guai» oder nennen den Sonnenstrahl « rai de sorëdl». Das ist der Name der ersten Platte von Ganes. Die Wahl der Sprache war kein bewusster Schritt. «Das kommt von allein beim Text schreiben, ganz natürlich», sagt Maria Moling im dpa-Gespräch: « Ladinisch ist die Sprache, in der wir denken, fühlen, träumen und miteinander sprechen.» Für die Frauen ist die rätoromanische Sprache Ausdruck ihrer Identität, erst recht, nachdem die drei die Enge ihres Heimattales verlassen hatten, um in Salzburg, Klagenfurt, Innsbruck und München Musik zu studieren - und nun jede auf ihre Weise in einer Großstadt angekommen ist und dort ihrer Berufung zuliebe bleibt.

Singen und Musizieren gehörte schon immer zum Leben der Ganes-Frauen. Der Vater der Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen war Kapellmeister der örtlichen Blasmusik. Die musikalische Ausbildung der Kinder stand an erster Stelle. Elisabeth bestand ihre Gesangsprüfung am renommierten Salzburger Mozarteum mit Auszeichnung, Marlene widmete sich der Geige und dem Jazz. Maria, die jüngere Cousine vom Bauernhof, lernte Gitarre und Percussion. Das alles sind prima Zutaten für Klangwelten, wie sie selten im Popgenre zu hören sind.

Aus der Volksmusik brachten die Südtirolerinnen die Dreistimmigkeit ihres Gesangs mit. «Etwas, was sonst in der Popmusik nicht üblich ist», erklärt Elisabeth. Keine der drei Stimmen, die mühelos mal liedhaft, jazzig oder lautmalerisch eingesetzt werden, dominiert. Jede kommt auf ihre Weise zur Geltung. Und wenn Elisabeth in dem Lied «Vivre» ihren Mezzosopran textlos in die Höhe schwingt, gibt es beim Hörer häufig Gänsehaut.

Wer meint, dass Popmusik und Ladinisch nicht zusammenpassen, den überzeugen die Ganes-Wesen vom Gegenteil. Wer nicht um ihre Herkunft weiß, der kommt nie auf die Idee, sie mit Volks- oder Heimatmusik in Verbindung zu bringen. Sie singen von Liebe, Leid, der Lust am Leben und von alltäglichen Beobachtungen. Dabei spielen sie mit unterschiedlichen Musikrichtungen und setzen sparsam elektronische Elemente ein. Zu ihrer Band gehören ein E-Gitarrist, ein Keyboarder und ein Kontrabassist, der auch E-Bass spielt und Beatboxen beherrscht.

Eines haben die drei Sängerinnen auf ihren bisher mehr als 100 Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol gelernt, die sie seit dem Erfolg ihres Debüts im Jahr 2010 absolviert haben: Ihre Stärke liegt in ihren Stimmen, begleitet vom Spiel der ureigensten Ganes-Instrumente. «Unsere Songs entstehen mit Geige und Gitarre. Dieses Grundgerüst muss bleiben. Dabei steht die Stimme ganz vorne», sagt Elisabeth im dpa-Gespräch. So soll es auch bei den anstehenden Konzerten sein, die das Trio ab Ende Juni auch wieder nach Deutschland führt.

Tourdaten in Deutschland: 29.6. Freiburg, 1.7. Nürnberg, 9.7. Tegernsee, 13.7. Heilbronn, 23.7. Koblenz, 24.7. Freising, 29.7. Horgenzell, 30.7. Kaltenberg Arena

Website Ganes

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