Cannabis macht das Lernen schwer
Kiffen ist schlecht für die Noten

Freitag, 29.07.2011, 20:07 Uhr

Münster - Die Uni ist aus. Oliver G. lässt sich auf die Couch fallen. Er nimmt ein langes Zigarettenpapier, legt es auf den Wohnzimmertisch. Darauf streut der VWL-Student Tabak, garniert mit Cannabis . Den Joint formt er zu einem Trichter, leckt eine Seite an und dreht die Tüte zu. Zum Schluss klopft Oliver den Joint auf den Tisch, zündet ihn an und zieht. Für ihn ist das ein typischer Abend.

Oliver G. sagt, dass ihn das Kiffen entspannt. Trotzdem verzichtet er momentan darauf, weil er sich auf seine Prüfungen konzentrieren muss. „Wenn du kiffst, setzt du deine Prioritäten anders. Du lässt dich schnell ablenken und Gedanken über den Uni-Stress oder die Zukunft sind egal. Ich habe mir aber hohe Ziele gesetzt - die möchte ich auch erreichen.“

Das kann Prof. Dr. Andreas Hensel bestätigen, der am Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie forscht: „Kiffen hemmt die Lernfähigkeit. Es reduziert die Lernaktivität, und wenn das Wissen in einer Prüfung abgerufen werden soll, arbeitet die Festplatte viel langsamer.“

Langfristig bleibt es nicht dabei. Wer sehr viel kifft, kann kaum mehr sorgfältig und strukturiert arbeiten. Er fühlt sich den Alltagsaufgaben nicht gewachsen, zieht sich zurück. Keine Motivation, kein Interesse - ihm ist alles gleichgültig. Im Studium wird es dann schwierig. Endstation Sackgasse.

Auch Jan I. raucht regelmäßig Cannabis, aber betont: „Ich kiffe definitiv nicht, um von irgendetwas runter zu kommen oder einen Ausgleich für die Uni zu haben. Deswegen würde ich auch niemals alleine kiffen. Ich mag daran einfach das gemeinsame Highsein.“ Doch aus „gemeinsam“ kann auch schnell „einsam“ werden. Oliver weiß das nur zu gut.

Bis vor einem Jahr hat er noch gedealt, um Drogen und Studium zu finanzieren. Viele Freundschaften zerbrachen daran. „Meine Kumpels haben nur noch angerufen, um was zu bekommen und viele sind mittlerweile darauf hängengeblieben. Sie haben kein Ziel mehr vor Augen. Das wird mir nicht passieren“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Jetzt fährt er nur noch in die Niederlande, um sich selbst Cannabis zu kaufen. Dort ist die Droge legal. Aber obwohl Münster nah an der Grenze liegt und das NRW-Ticket den Studenten einen kostenlosen Kurztrip nach Enschede erlaubt, ist der Cannabiskonsum laut Polizei nicht auffallend hoch. Georg Piepel, Leiter der Drogenhilfe Münster, ergänzt: „Klar ist es dadurch schnell erhältlich, aber Cannabis ist für Jugendliche fast überall verfügbar.“

Oliver kennt zwar die Cannabis-Gefahren und legt in der Prüfungszeit eine Pause ein, aber sie ist nicht von Dauer.

Für ihn steht fest: Nach den Klausuren wird er die Karteikarten in seinem Schreibtisch verstauen, sich auf die Couch fläzen und ohne den Hauch eines Zweifels zu seinem alten Feierabendritual zurückkehren.

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