"Hyperbare Sauerstofftherapie"
Patienten atmen im U-Boot tief durch

Samstag, 09.07.2011, 17:07 Uhr

Münster - Bitte Platz nehmen! Kräftig türkisfarbene Sessel reihen sich aneinander - und sehen sehr bequem aus. Kleine Luken ermöglichen den Blick nach draußen, wenn die schwere Tür zufällt. Es ist mucksmäuschenstill. Wie in einem U-Boot mag sich manch einer an Bord dieses tonnenschweren Kolosses fühlen. Doch es sind keine Passagiere, es sind Patienten, die dort täglich Platz nehmen. Beim ersten Mal vielleicht noch etwas unsicher, später dann routiniert stülpen sie die Masken über und tauchen ab. Im wahrsten Sinne des Wortes: In der Praxis für Hyperbarmedizin werden sie mit reinem Sauerstoff versorgt. Eine Therapie, die kranken und geschädigten Zellen im Körper helfen kann, sich zu regenerieren.

So wie bei Atmaca Bahattin zum Beispiel. Der 30-Jährige hatte Schmerzen in der der Leiste. Sein Orthopäde schickte ihn nach Sendenhorst in die Fachklinik - die Ärzte stellten eine Hüftkopfnekrose fest. Dabei ist das Gewebe um den Knochen oft entzündet, der Knochen selbst zeigt Auflösungserscheinungen. Operation oder Sauerstoff-Überdrucktherapie? Der Maschinenführer aus Emsdetten entschied sich für die zweite Möglichkeit: „Bei einer OP wäre ich mindestens sechs Wochen ausgefallen.“ So ist er stattdessen 40 Mal Tag für Tag von Emsdetten nach Münster gefahren, hat die Maske aufgesetzt und jeweils zwischen 60 und 90 Minuten lang medizinischen Sauerstoff eingeatmet. „Dabei erhöht sich der Sauerstoffgehalt im Blut bis auf das 20-fache des Normalwertes“, erklärt Praxischef Dr. Gordon Rossbach.

Natürlich könne man nie vorher wissen, in welchem Umfang die Behandlung anschlage. Bei Atmaca Bahattin jedenfalls gehen Arzt und Patient zurzeit von einem „hundertprozentigen Erfolg“ aus. Die aktuelle Kernspintomografie hat gezeigt, dass der Hüftkopf komplett wieder in Ordnung ist. Und auch die Zeit der Schmerzen ist vorbei. Der 30-Jährige macht wieder Sport, bewegt sich viel - und hofft, dass es so bleibt. „Das war es mir wert“. sagt er zufrieden.

Denn die Behandlung hat er selbst gezahlt. Bei gesetzlich Versicherten wird die Therapie oftmals nicht übernommen. Diese Erfahrung hat auch Irmgard Pierburg gemacht. Die inzwischen 71-Jährige hat einen langen Leidensweg hinter sich. Begonnen hat er vor über 30 Jahren mit der Diagnose Darmkrebs. Die damalige Behandlung hat Spuren hinterlassen - die hoch dosierte Bestrahlung hat die Blase der Essenerin für immer zerstört. Entzündungen, Dauerschmerzen, nächtliche Toilettengänge im Abstand von zehn Minuten: „Ich war ziemlich am Ende“, sagt sie rückblickend. 2004 lernt sie die Hyperbare Sauerstoff-therapie erstmals kennen - stationär in Duisburg. Nach 60 Einheiten stellt sich heraus: „Die Therapie war erfolgreich.“

Umso mehr ist Irmgard Pierburg überrascht - und entsetzt - dass fünf Jahre später, als die Beschwerden erneut auftreten, diese Therapie von der Kasse abgelehnt wird. „Es habe Reformen gegeben, nur wenn eine neue Zusatzdiagnose dazu komme, könne die Behandlung noch einmal erfolgen.“ Sie hat dagegen geklagt. Erfolglos.

Der Zustand von Irmgard Pierburg verschlechtert sich immer mehr. „Ich wusste nicht mehr, wie es weiter gehen sollte.“ Dann ihre Entscheidung: „Ich mache es selbst.“ Da die Klinik in Duisburg nicht mehr über die Spezial-Abteilung verfügt, kommt sie nach Münster in die Praxis an der Warendorfer Straße. 40 Mal geht sie in das „U-Boot“. Das ist zwei Jahre her. „Es geht mir richtig gut“, strahlt die Frau, die viele Tiefs durchlebt hat.

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