Lenz-Musik
Jedward: Liebenswerte Glitter-Geeks

Donnerstag, 28.07.2011, 14:07 Uhr

Das irische Hit-Album „Planet Jedward “ kommt spät nach Deutschland. Hat jemand darauf gewartet? Braucht die Welt zwei weitere verrückte Typen, die sich schräg kleiden und austauschbare Popmusik singen?

Wer bei Jedward sofort abwinkt, wird dem Phänomen der beiden irischen „ X-Factor “-Sechstplatzierten nicht gerecht. Während die meisten Casting-Teilnehmer fix in der Versenkung verschwinden, halten sich John und Edward Grimes im Geschäft.

Dem deutschen Publikum fiel das kunterbunte Zwillingspaar erstmals beim Eurovision Song Contest mit der Single „Lipstick“ auf. Die Buchmacher hatten das schrille Duo zwischenzeitlich sogar als Top-Favorit gehandelt - am Ende holten die Lady-Gaga-haften Newcomer den achten Rang für ihr Land.

Für viele junge Iren sind Jedward wahre Vorbilder: Um John und Edward gibt es keine Skandale, sie halten sich von Drogen und Affären fern. Ihr Manager schwärmt: Noch nie habe er härter arbeitende Künstler betreut. „Sie sind einfach nur zwei liebenswerte Jungs.“

Ihre Musik schmerzt keinem Jugendschützer in den Ohren. So wirkt es unfreiwillig komisch, dass sich Jedward auf dem zweiten Albumsong für ein schlechtes Benehmen („Bad Behaviour“) entschuldigen, das sie gar nicht an den Tag legen. Aber der Song bleibt ebenso wie „My Miss America“, das ziemlich gemächlich im Fahrwasser von Bruno Mars tuckert, in den Gehörgängen kleben. Ganz schlecht klingen die beiden 19-Jährigen nicht.

Richtig gelungen ist „Under Pressure (Ice Ice Baby)“. Da rühren Jedward die Klassiker von Queen und Vanilla Ice zusammen, die zuvor schon in Rhythmus und Melodie aus demselben Teig gerollt waren. An einer Stelle im Song legt John (oder ist es Edward - man weiß es nicht genau) eine tiefe Bad-Guy-Stimme auf, bis die E-Gitarren hereinbrechen. Auch in der Kriss-Kross-Hommage „Jump“ spielen sich die beiden „liebenswerten Jungs“ rappenderweise die Bälle zu. Und man kann sich selbst bei provozierenden „Aha aha“-Einwürfen nicht vorstellen, dass die beiden Brüder irgendeiner Fliege irgendetwas zuleide tun könnten.

Es sind möglicherweise Reinheit und Unverfälschtheit, die eine unfassbare Faszination auf die irischen Musik-Fans ausüben: Vier von fünf Jedward-Titel erklommen auf Anhieb die Spitze der irischen Charts - das schaffen die wenigsten Künstler. Seit sich Robbie Williams als Fan der Glitzer-Geeks outete, schweben Jedward auf Wolke sieben. Und dann das: John und Edward durften dem US-Präsidenten Barack Obama ein Privatkonzert geben.

Der Höhenkoller ist nicht weit. Aber Jedward werden diesen Rummel um ihre Zwillings-Person verkraften - und wahrscheinlich einen Song mit Lena aufnehmen. Das ist ihr erklärter Traum. Wie bescheiden.

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