Schlimme Verbrennungen bei Riesenbärenklau
Giftige Pflanzen behindern Straßenwärter

Münsterland - Nicht heimische Pflanzen, so genannte Neophyten, machen sich zunehmend auch an den großen Verkehrsachsen breit und stellen die Straßenwärter des Landesbetriebs Straßen NRW bei der Pflege der Verkehrswege vor neue Herausforderungen. Größter Problemfall ist die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt: Der Saft des bis zu 3,5 Meter hohen Riesenbärenklau ...

Freitag, 01.07.2011, 00:07 Uhr

Münsterland - Nicht heimische Pflanzen, so genannte Neophyten, machen sich zunehmend auch an den großen Verkehrsachsen breit und stellen die Straßenwärter des Landesbetriebs Straßen NRW bei der Pflege der Verkehrswege vor neue Herausforderungen. Größter Problemfall ist die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt. Der Saft des bis zu 3,5 Meter hohen Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) kann bei Berührung schlimme Verbrennungen auslösen. Für die Straßenwärter, die an den Straßen Gras und Gebüsch schneiden und häckseln, eine große Gefahr. Der Pflanzensaft der Herkulesstaude enthält "Furanocumarine"; dieser Stoff wirkt zusammen mit Sonnenlicht phototoxisch. Wenn Saft aus der Pflanze austritt und mit der Haut in Berührung kommt, gibt es schwer heilende Verbrennungen und Quaddeln (Photodermatitis) auf der Haut. Zur Bekämpfung des Riesenbärenklau, der ursprünglich aus dem Kaukasus stammt und Ende des 19. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Europa eingeführt wurde, werden die Straßenwärter beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen speziell geschult, heißt es in einer Pressemitteilung. Geschlossene Kleidung, spezielle Schutzhandschuhe und Schutzbrillen sind vorgeschrieben. Ist es dennoch zu einer Berührung mit dem giftigen Pflanzensaft gekommen, soll als Erstmaßnahme versucht werden, den Pflanzensaft sofort gründlich abzuwaschen und anschließend die Haut vor Lichteinfall zu schützen. Expansiv verhält sich der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica), der durch schnelles Wachstum andere Arten bedroht und auch vor dem Straßenraum nicht halt macht. Dabei überwuchert die stark wachsende Pflanze in kürzester Zeit Schutzplanken, engt Sichtbereiche und das seitliche Lichtraumprofil ein und beeinträchtigt somit die Verkehrssicherheit. Mechanische Bekämpfungsmethoden sind erfahrungsgemäß wenig erfolgversprechend. Auf Grund des hohen Risikopotentials der Herkulesstaude und des Japanischen Staudenknöterichs hat der Direktor der Landwirtschaftskammer NRW dem Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen die Ausnahmegenehmigung erteilt, diese Pflanzen mit Herbiziden zu bekämpfen. Die Herkulesstaude und der Staudenknöterich sind keineswegs die einzigen Einwanderer unter den Pflanzen und nicht jede eingewanderte Pflanze ist problematisch. Die wohl prominentesten Zuwanderer, Tomate und Kartoffel, möchte schließlich niemand missen. Viele absichtlich oder zufällig eingewanderte Pflanzen können sich unter den hiesigen klimatischen Bedingungen auch nicht oder nur schwer entfalten, andere wiederum haben kaum natürliche Feinde und verbreiten sich zunehmend wie die Herkulesstaude. Gesundheitsgefährdend, weil die Pollen starke Allergien auslösen können, ist die beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia). Aber auch bei heimischen Pflanzen ist mitunter Vorsicht angeraten. Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) macht sich gern auf extensiv genutzten Weiden, Brach- und Freilandflächen stark. Auch im Straßenrandbereich, auf den angrenzenden Böschungen und auf Kompensationsflächen sind Bestände anzutreffen. Das Jakobskreuzkraut ist eine gelbblühende, heimische Pflanze. Sie enthält Pyrrolizidinalkaloide, die zu chronischer Lebervergiftung bei Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen führen können. In der Regel wird durch die Mahd der Straßenbegleitflächen eine intakte Grasnarbe erhalten, so dass das Jakobskreuzkraut in Schach gehalten wird. Im Einzelfall wird das Kraut jedoch mit einer so genannten Mulchmahd an der weiteren Verbreitung gehindert. Anders als bei der Herkulesstaude und dem Japanischen Staudenknöterich ist hier eine chemische Bekämpfung nicht zulässig.

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