Der zaubernde Anwalt
Markus Kompa berät den ehemaligen Wikileaks-Sprecher

Dienstag, 30.08.2011, 18:08 Uhr

Münster - Für den Schreibtisch, „über den ein Stück Weltpolitik ging“, war im Arbeitsamt Münster kein Platz mehr. Nun steht er im Arbeitszimmer von Markus Kompa .

Dort sitzt der 39-jährige Anwalt und arbeitet. Entweder verteidigt er Bauchredner, denen man den Mund verbieten will, berät Blogger, denen mächtige Gegner mit teuren Klagen drohen, oder diskutiert mit Daniel Domscheit-Berg, einem der beiden Wikileaks-Begründer. Weil Kompa den Hacker des Enthüllungsportals berät, war er an den weltweiten Wikileaks-Enthüllungen näher dran als viele andere. „Aber ich habe trotzdem keine entscheidende Rolle gespielt“, sagt er.

Markus Kompa ist ein Medienanwalt, Zauberer und Blogger. Die meiste Zeit verbringt er mit der Juristerei, das meiste Geld verdient er mit der Zauberei und die meiste Aufmerksamkeit bekommt er für seine Schreiberei. Er interviewt ehemalige Spione und „bloggt“ (veröffentlicht) Beiträge über seine Spezialgebiete Geheimdienste im Kalten Krieg, Wikileaks und Medienrecht, gibt sich dort „krawallig“ und ist in der Bloggerszene bekannt.

Und das nicht nur in Foren, in denen die „Trolle“ unterwegs seien, sondern auch bei den Anwälten, die dort zu Urteilen schreiben, Politik kommentieren oder „ihre eigenen Verdienste bejubeln“, wie der 39-Jährige es sagt. Dort gehörten seine Artikel oft zu den meistgelesenen. „Mein Thema ist die Meinungsfreiheit“, sagt Kompa. Und das scheint viele zu interessieren.

Der Freund der Domscheit-Bergs gab während ihrer Hochzeitsfeier eine Zaubervorstellung für die Kinder. In einem „Tunnel“ - einem gesicherten Verfahren, Nachrichten miteinander auszutauschen - beraten die beiden Freunde über juristische Fragen. Kennengelernt hatte er den damaligen Wikileaks-Sprecher beim Chaos Computer Club.

Das Projekt war der Öffentlichkeit damals noch mehr oder weniger unbekannt. Doch Kompa war nach eigenen Worten schon länger fasziniert, „weil damit Zensur und pressefeindliche Rechtsprechung unterlaufen werden konnte“. Es entstand eine Freundschaft, die auch dazu führte, dass sich Domscheit-Berg bei dem Münsteraner in seinem in 25 Sprachen erschienenen Buch „Inside Wikileaks“ für dessen „unbezahlbares Feedback zum Inhalt“ bedankte. Auf Nachfrage simst Domscheit-Berg: „Herr Kompa ist ein guter Freund und ein Mensch, den ich für seine Arbeit und Haltung sehr schätze. Er berät mich in rechtlichen Fragen. Auf unserer Hochzeit hat er uns mit seiner Zaubervorstellung einen der wohl unvergesslichsten Momente dieser Feier geschenkt.“

Sollte Domscheit-Bergs neues Projekt Openleaks irgendwann ähnliche Aufmerksamkeit erregen, wie Wikileaks das mit seinen Enthüllungen über den Afghanistan-Krieg gelungen ist - wer weiß: Vielleicht geht dann wieder ein kleines Stück „Weltpolitik“ über einen ausrangierten Arbeitsamtsschreibtisch.

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