Gepardenbaby wird von Menschenhand gefüttert
Schwamm drüber...

Montag, 09.01.2012, 09:27 Uhr

Münster - Nach dem Fläschchen kommt der Schwamm . Ein ganz normaler Topfreiniger: oben grün, unten gelb - damit fährt Tierpflegerin Carin Fels ihrem Schützling über den Pelz. Dem kleinen Geparden passt die grüne Seite überhaupt nicht, er dreht und windet sich und schaut sehr unwillig drein - das muss ganz erbärmlich ziepen. Aber Carin Fels ist unerbittlich: „Die Zunge seiner Mutter Xenia ist mindestens genauso rau“, sagt sie gelassen und bürstet weiter.

Carin Fels und die Gepardin Xenia sind ein eingespieltes Team, was die Aufzucht des kleinen Shaka angeht. Vor einem Monat brachte Xenia drei Jungen zur Welt, von denen nur Shaka überlebte - aber auch er wurde immer magerer, wie regelmäßige Gewichtskontrollen ergaben.

Klarer Fall: Die sechsjährige Xenia hat nicht genug Milch. Was tun? Bei einer reinen Handaufzucht müsste man Mutter und Sohn trennen; aber das ist nicht gut, denn wo sollte ein Gepard lernen, sich wie ein Gepard zu benehmen, wenn nicht bei Mama?

Also wurde ein Kompromiss gefunden: Vier Mal am Tag - um 8, 11, 15 und 18 Uhr - kommt Carin Fels mit dem Fläschchen und dem Schwamm. 200 Milliliter Aufzuchtmilch muss der Kleine jeden Tag haben, dazu Ansprache, Fellpflege und Verdauungshilfe. Carin Fels kontrolliert immer gewissenhaft, ob der Kleine Bäuerchen oder sonst was macht. Dann wird er wieder zur Mutter gelassen.

Dass Xenia dieses Spiel mitmacht, ist die eigentliche Sensation. „Sie merkt jedes Mal, dass etwas nicht stimmt“, räumt Carin Fels ein. Ist aber auch merkwürdig, wenn einen der eigene Nachwuchs anfaucht, nur weil der jetzt auf Menschen steht. Doch Xenia hat sich offenbar daran gewöhnt.

Dass Carin Fels dieses Spiel mitmacht, ist aber auch nicht selbstverständlich. Denn der Kurze hat scharfe Krallen. Außerdem kriegt er gerade Zähne, und das ist für einen kleinen Geparden auch nicht lustig. Carin Fels bietet ihm einen Finger an, „damit er den Schmerz wegkauen kann“. Tut das nicht scheußlich weh? Carin Fels seufzt: „Solange er meinen Finger noch dran lässt, bekommt er ihn.“

Was tut man nicht alles für Shaka. Der Kleine ist so putzig, dass beim offiziellen Pressetermin sogar eine Horde gestandener Fernsehjournalisten in seiner Gegenwart vor Rührung verstummt.

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