Klassiker auf Rädern
Ein Auto wie ein Stuhl

Freitag, 12.08.2011, 16:08 Uhr

Greven - „Der ist wie ein Stuhl.“ Eine Aussage, die im Zusammenhang mit einem Auto etwas überrascht. Doch der Framo V901-2 hat nun mal einen Rahmen aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. „Für Stahl hatten die damals kein Geld“, sagt Michael Schwarte , der Besitzer des Holzrahmens. Den man bei normaler Betrachtungsweise natürlich nicht sieht. „Der wurde dann mit Blech bespannt“, erklärt Schwarte. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Von vorne könnte der Framo glatt als elegante 50er Jahre Limousine durchgehen. Die Gesamtschau vertreibt diesen Eindruck allerdings nachhaltig. Die Pritsche weist das Gefährt, dessen Geburtsstunde im Jahr 1954 schlug, eindeutig als Lastenträger aus.

Noch in den späten 1980er Jahren war der Kleinlaster im Straßenbild alles andere als eine Seltenheit. Wer das abgebildete Fahrzeug mit seiner Erinnerung abgleicht, dürfte allerdings spätestens jetzt stutzig werden. Um es klar zu machen: Wir sprechen nicht von bundesdeutschen Straßen. Der Framo war ein Kind der DDR und rumpelte über die dortigen Pisten. „Das war dort der Volkslieferwagen“, sagt Schwarte.

Sechs Jahre hat es gedauert, bis sein Framo so war, wie Michael Schwarte ihn sich vorgestellt hatte. „Der sieht jetzt so aus, wie er aus dem Werk kam“, lässt der Installateur mit eigenem Betrieb keinen Zweifel, dass er die Messlatte selbst sehr hoch gelegt hatte. Lackierung, Interieur, Armaturenbrett - alles sieht so aus, wie der DDR-Handwerker es vor Augen hatte. „Ich fand den einfach knuffig“, begründet Schwarte die Entscheidung, seine Oldtimer-Leidenschaft an dem Framo ausgelebt hat. 10 000 Euro hat er in den Wagen gesteckt, den er nach langer Suche im Internet ausfindig gemacht hatte. Dazu kommen die über 200 Stunden, in denen er geschraubt hat. „Ein paar Sachen habe ich vergeben, den Rest selber gemacht“, erzählt er. Er habe nun mal ein Faible für alte Dinge. Die sollen dann aber möglichst originalgetreu sein.

Ein gutes Beispiel für seine Detailversessenheit sind die Gürtelreifen des Framo. Die werden nämlich in der Größe gar nicht mehr produziert. Also hat Schwarte sich mit einigen anderen Framo-Bastlern zusammengetan. Gemeinsam hat man eine Sonderanfertigung in Auftrag gegeben. „Nur so war das halbwegs bezahlbar“, sagt Schwarte. Bezahlbar ja, aber immer noch ziemlich teuer.

Unter der mächtigen Kühlerhaube verbirgt sich ein eher bescheiden anmutender 3-Zylinder-Zweitakt-Motor - übrigens ein bundesdeutsches Produkt aus den DKW-Werken. 40 PS leistet das Aggregat. „Das war viel für die damalige Zeit“, sagt Schwarte. Trotzdem: Die Frage nach der Beschleunigung von 0 auf 100 stellt sich nicht. „So schnell war er dann doch nicht.“

Eine Besonderheit an dem Gefährt sind die Türen. die sich nach hinten öffnen, also verkehrt herum nach heutigen automobilen Maßstäben. Sieht witzig aus, hat aber einen schmerzhaften Nachteil. „Wenn der Wagen unfreiwillig ins Rollen kam, bekam der Fahrer die Tür ins Kreuz“, erzählt Schwarte. Was bisweilen böse endete und dem Wagen auch den Spitznamen „Witwenmacher“ einbrachte.

Für den täglichen Kundeneinsatz ist Schwartes Framo nicht gedacht. Eher als Blickfang bei Stadtfesten und anderen Events. „Der soll natürlich auch Werbeträger sein“, sagt Schwarte. Tropft bei einem seiner älteren Kunden mal der Wasserhahn, kann sich Schwarte den Framo aber durchaus im Außeneinsatz vorstellen. „Für die ist das ein Stück Erinnerung.“ So kommt man leichter ins Gespräch, was im Sinne der Kundenpflege ja nicht verkehrt sein kann. Aber auch die jüngere Generation findet Gefallen an dem Framo. „An dem ist alles so schön rund und noch nicht so aerodynamisch“, sagt Praktikant Tim Schafmeister, der zur Welt kam, als die DDR schon Geschichte war.

Runde Formen - sie haben Männerherzen schon immer höher schlagen lassen.

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