Nirgendwo zu Hause
Roma-Familie soll zum zweiten Mal ausgewiesen werden

Dienstag, 02.08.2011, 18:08 Uhr

Münster - Fabian Alijvic hat die Schule in Hiltrup besucht. Zwölf Jahre lang war er Münsteraner, dann ging seine Familie nach Serbien . „Freiwillig“, wie es offiziell heißt. „Weil die Duldung nicht verlängert wurde“, sagt Mefail Alijvic, Fabians Vater.

Die Alijvics sind Roma. Am Dienstag standen sie wieder vor dem Ausländeramt. Wieder droht die Abschiebung . Diesmal wurden sie begleitet von zahlreichen Münsteranern, die damit für ein Bleiberecht von Roma demonstrieren. „Kein Mensch ist illegal“, steht auf der Fahne, die einer schwenkt.

Fabian Alijvic kam als Kind von Kriegsflüchtlingen nach Münster. 1990 war das. Die Eltern beantragten Asyl , wie bei fast allen Roma wurde der Antrag abgelehnt, die Familie war geduldet. Zwölf Jahre später wurde die Duldung nicht verlängert, die Familie musste nach Serbien. „Ich konnte kein Serbisch“, sagt der 24-Jährige heute, auf Deutsch. Auch nach zwölf Jahren spreche er die Sprache seiner „Heimat“ nur zu 40 Prozent. Roma seien in Serbien eine verachtete Volksgruppe. Im Kosovo werfe man ihnen Zusammenarbeit mit den Serben vor, in Serbien mit dem Kosovo. Eine Schule konnte er nicht mehr besuchen. „Ich war zu alt“, sagt er.

Heute hat er zwei kleine Kinder - er hat sich mit Gelegenheitsjobs durchgekämpft. „Reiche Leute engagieren uns“, sagt er, „und sie zahlen 7,50 Euro.“ Für einen ganzen Tag.

Als die Freizügigkeit für Serben es einfacher machte, das Land zu verlassen, packten die Alijvics, Fabian, seine Frau, die Kinder und die Großeltern, ihre Koffer und reisten nach Münster. Hier beantragten sie Asyl, leben seither in einer städtischen Unterkunft.

„Die Chancen auf Asyl“, sagt Volker Maria Hügel von der Flüchtlingshilfe GGUA, „sind sehr gering.“ Doch er fordert ein Bleiberecht für die Roma, die sonst nirgendwo eine Chance hätten. Das sei Europa den Roma nach den Nato-Eingriffen im Balkan-Krieg schuldig, sagt er. Und erinnert gleichzeitig an die Verfolgung der Zigeuner durch das Nazi-Regime. „Vorerst“, sagt er, „werden die Alijvics wohl nur eine Verlängerung ihrer Duldung bekommen.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/219691?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F594850%2F594897%2F
So stellt sich die SPD den neuen Hafen-Markt vor
Die Baustelle am Hafencenter liegt still. Nach Vorschlägen der SPD könnte dort anstelle eines großen Supermarktes eine Markthalle entstehen, ohne dass die bereits fertigen Rohbauten abgerissen werden.
Nachrichten-Ticker