Rot Weiss Ahlen
An den Aufgaben wachsen

Freitag, 12.08.2011, 17:08 Uhr

Ahlen - Man stelle sich vor, die Bundesregierung stünde nach der Sommerpause plötzlich ohne Kanzler, Außen-, Finanz- und Verteidigungsminister da. Helle Aufruhr würde im Reichstag in Berlin herrschen, das Regieren wäre kaum möglich und dennoch nötig.

Ähnlich erging es im übertragenen Sinne den A-Junioren von Rot-Weiß Ahlen . Sie haben mit Torwart Philipp Kühn (SV Sandhausen), Verteidiger Maximilian Dahlhoff (SF Lotte), Mittelfeldspieler Pascal Schmidt (Schalke 2) und Angreifer Bertul Kocabas (Hamburger SV 2) das komplette vertikale Gerüst der Mannschaft verloren. Das Fußballspielen in der Junioren-Bundesliga ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich und dennoch nötig - will man erneut den Klassenerhalt schaffen und damit auch für die neue Spielzeit das Ticket lösen, das zur Teilnahme an der höchsten U19-Spielklasse berechtigt.

„Jetzt müssen sich erst einmal ein paar andere Spieler etablieren, sich ein Standing erarbeiten. Es müssen sich neue Führungsfiguren herauskristallisieren“, hält Holger Bellinghoff fest. Der RW-Trainer hat besonders Julius Richter im Auge, dessen Eigenschaften dem gesuchten Profil wohl am ehesten entsprechen.

Vakant ist vor allem noch die vormals von Pascal Schmidt bekleidete Zehner-Position. „Pascal war der Kopf des Spiels“, sagt Bellinghoff. Ohne ein zentrales Organ lässt sich das Ahlener Spiel schlecht steuern. Nils Hönicke (aktuell noch gelb-rot-gesperrt) könnte in guter Verfassung weiterhelfen und auch dem eigentlichen „Sechser“ Simon Strathoff traut Bellinghoff den Part in der Offensive durchaus zu.

Vorausgesetzt Strathoff bringt die Bereitschaft wie die Fähigkeit mit, sich den Anforderungen der neuen Position anzupassen. Einer, der das bereits vorgemacht hat, ist Marco Priemer. Ursprünglich im Mittelfeld eingeplant, gibt Priemer mittlerweile sehr souverän den Linksverteidiger. Für Rot-Weiß heißt es, an den eigenen Aufgaben zu wachsen.

Das ist zwingend erforderlich, denn die Konkurrenz ist deutlich größer als in den Vorjahren. Mit Aachen, Münster und Oberhausen bereichern drei starke Aufsteiger die Junioren-Bundesliga. Zu diesen drei Vereinen werden sich vermutlich Wuppertal, Bonn und eben Ahlen gesellen - ein halbes Dutzend Clubs buhlt also um den Verbleib in der U19-Eliteklasse.

„Wir müssen mit den geringsten Mitteln das Optimale erreichen und das ist Platz elf“, unterstreicht Bellinghoff. In der Geschlossen- und Ausgeglichenheit seiner Mannschaft sieht Ahlens Coach die entscheidenden Trümpfe. Auch Kampfgeist und Defensivstärke zeichneten seine Elf aus. Die Neuzugänge Marvin Buchta (Rechtsverteidiger) und Maurice Schwab (Sturm) haben zudem bereits bleibenden Eindruck hinterlassen und einen Stammplatz sicher. Maxi Schulze-Geisthövel hat ebenfalls Potenzial angedeutet.

Der neu verpflichtete Torhüter Christopher Balkenhoff konkurriert mit Kevin Loke um die Nummer eins. „Beide haben etwas Zeit sich zu bewähren“, kündigt Bellinghoff an. Die erste Gelegenheit sich zu behaupten haben die Rot-Weißen am Sonntag um 11 Uhr in Oberhausen. In Berlin wird es zu dieser Zeit ruhig bleiben, die Politiker sind alle noch in Amt und Würden. Für Rot-Weiß Ahlen aber muss sich ab sofort zeigen, wer künftig auf dem Rasen regiert.

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