Frauenpower in Schulen
Männliche Lehrkräfte sind Mangelware

Dienstag, 20.09.2011, 19:09 Uhr

Münster - Schule ist zunehmend weiblich. Zu dem Schluss muss kommen, wer die jüngste Statistik des Landesamtes für Information und Technik liest. 1897 Lehrerinnen gibt es an den allgemeinbildenden Schulen Münsters, gegenüber 794 Lehrern. Das Verhältnis von 70 zu 30 Prozent wird allenfalls dadurch leicht verändert, dass Frauen etwas mehr Teilzeitstellen haben.

Erwartungsgemäß ist der Frauenüberschuss an der Grundschule am größten. 91 Prozent Frauen und neun Prozent Männer (569 zu 58) werden hier im Schuljahr 2010/2011 gezählt. Die Wahrscheinlichkeit für Kinder, vom Hort bis zur Grundschule nur von Frauen betreut zu werden, ist besonders groß.

Ob das Auswirkungen auf die Entwicklung gerade von Jungen hat, darüber gebe es bisher keine gesicherten empirischen Befunde, sagt Schulforscher Prof. Dr. Bernd Zymek aus Münster: „Das wird allenfalls in Fachkreisen diskutiert.“ Tatsächlich sei die Frauenquote im Schulbetrieb in anderen Ländern höher.

Eine Benachteiligung von Jungen erwartet er allerdings nicht. Sein Umkehrschluss: Dann hätten ja die Frauen, die in einem von Lehrern dominierten System aufgewachsen sind, auch keine Chance zum Aufstieg gehabt.

Die Frauenpower zieht sich nahtlos durch alle Schulformen in Münster.

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Auch an der Uni ist der Trend deutlich. Im Sommersemester 2011 studierten im Grundschulbereich 83 Prozent Frauen, im Bereich Haupt- und Realschulen waren es 59 Prozent. Die Zahlen für das Gymnasium sind schwerer zu ermitteln, da die Studenten in zwei Fächern Bachelor-Abschlüsse machen.

„100 Jahre wurde beklagt, dass Mädchen keine weiblichen Vorbilder hatten“, sagt Prof. Zymek, „heute ist es umgekehrt“. Die möglichen negativen Auswirkungen hält er für „riesig überschätzt“.

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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