Interview mit Caro Emerald
Sie bietet eine unvergessliche Nacht in Düsseldorf

Sonntag, 11.09.2011, 10:09 Uhr

Münster - Caro Emeralds Jazz-Pop verbindet Generationen. Die Songs aus ihrem Album „Deleted Scenes From The Cutting Room Floor“ klingen wie aus den 50ern in die Gegenwart teleportiert. Dieses Nostalgie-Gefühl möchte die Niederländerin auch bei ihrem einzigen NRW-Konzert am 30. Oktober in Düsseldorf entfachen. Unser Redaktionsmitglied Florian Schröder sprach mit der 30-jährigen studierten Jazzmusikerin über Perfektionismus und das Revival der Schallplatten.

Vinylplatten erleben gerade ein Revival. Für Ihre Musik eigentlich perfekt, oder?

Caro Emerald: Ja, es klingt komplett anders. Ich habe mir gerade erst einen neuen Plattenspieler gekauft und mir ein paar Platten angehört. Da bekommt man das Gefühl, dass die Band irgendwo im Hinterhof spielt, dass man sie berühren könnte. Ich habe versucht, diesen Vinyl-Sound auf unser Album zu transportieren.

Wie wird sich Musik verändern, wenn weitere Formate auf den Markt kommen, die die MP3 vielleicht irgendwann ablösen?

Emerald: Es gibt immer eine gute und eine schlechte Seite bei neuen technologischen Entwicklungen. Mich hat allerdings überrascht, wie modern wir unser Album aufgenommen haben. Wir haben viel analog, aber vor allem digital gearbeitet. Dennoch: Bei MP3s und anderen Formaten vermisst man in den Klängen eine Extra-Dimension. Die Musik wirkt flach.

Ihre Musik ist eng an die 40er und 50er Jahre angelehnt. Müssen Sie sich aufgrund der technischen Brillanz die Authentizität wieder hart erarbeiten?

Emerald: Nein, nicht wenn man die technischen Möglichkeiten richtig nutzt. Ein Song, der sehr modern aufgenommen wurde, ist „On The Floor“ von Jennifer Lopez. Aber er klingt für mich richtig flach. Das Lied nutzt den modernen technischen Produktionsprozess komplett aus - aber auch komplett falsch. JLos Stimme wurde angeglichen, die Sounds abgeflacht, es fehlt die Dynamik.

Als Perfektionistin ist es manchmal besser, wenig Auswahlmöglichkeiten zu haben.

Für Sie als Perfektionistin sind die technischen Möglichkeiten also eher Fluch als Segen?

Emerald (lacht): Als Perfektionistin ist es manchmal besser, wenig Auswahlmöglichkeiten zu haben. Es kann nie perfekt genug sein, da muss ich mich manchmal stoppen und noch mehr lernen. Früher hätte ich einen Song sechs Mal eingespielt. Heute muss ein Versuch reichen. Im Fernsehen oder Radio habe ich schließlich auch nur einen Versuch.

Kann man mit halb guten Sachen ganz zufrieden sein?

Emerald: Es geht immer besser. Wenn etwas nicht perfekt ist, beginne ich es zu hassen. Wenn man auf Qualität achtet, wächst man daran.

Wirkt Ihre Musik, mit der man Nachtclub, Zigarren und Cocktails assoziiert, überhaupt in großen Hallen - wie in Düsseldorf zum Beispiel?

Emerald: Wir haben schon in einer Konzerthalle in Amsterdam vor 5000 Menschen und auf einem Festival vor 40 000 Menschen gespielt. Ich würde sagen, die Musik wirkt überall, aber man muss ein paar Anpassungen vornehmen. Und sie wären überrascht, wie viel Energie in meinen Konzerten steckt. Die Leute wollen die ganze Zeit tanzen.

Auf Ihre Musik können sich Großeltern und Enkel gleichermaßen einigen. Warum?

Emerald: Ich habe keine Ahnung. Ich dachte immer, meine Musik wäre für ganz spezielle Musikliebhaber und Jazz-Fans. Mittlerweile bekomme ich Nachrichten von Teenagers, die mir schreiben, sie hätten die Musik ihrer Eltern immer gehasst, aber würden sie jetzt lieben.

Seit Plan B, Adele, Duffy, Aloe Blacc und der mittlerweile verstorbenen Amy Winehouse reden alle von einer neuen Retrowelle. Gibt es das überhaupt?

Emerald: Musik bleibt immer Musik. Letztlich haben wir alle von den großen Legenden gelernt. Am Ende geht alles zurück auf Louis Armstrong.

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