Rechtsextreme
Dortmund ist Hochburg der Neonazis - im Münsterland ist Szene eher unbedeutend

Donnerstag, 01.09.2011, 04:09 Uhr

Münsterland/Dortmund - Die Stadt Dortmund steht für vieles - leider auch dafür, im Westen der Republik Hochburg der Neonazis zu sein. Seit Jahren schon tummeln sich hier die extremen Rechten. Wer einmal durch den Stadtteil Dorstfeld gefahren ist, weiß um ihre Gegenwart: Mit Aufklebern und Plakaten markieren sie vor allem dort ihr Revier. „Dortmund ist unsere Stadt“, steht auf manchem Pamphlet. Wie ei­ne Kampfansage klingt das.

Am kommenden Samstag werden sie dort wieder marschieren, an ihrem „na­ti­o­na­len An­­ti­kriegstag“. Bis zu 1000 Neonazis sollen dem Vernehmen nach kommen; auf mehrere Tausend wird die Zahl der Gegendemonstranten geschätzt. Die Dortmunder Polizei schweigt beharrlich, erst am Donnerstag (1. September) will sie sich zum Aufmarsch der braunen Bande äußern. Die Einsatzführung, so ist allerdings zu hören, befürchtet Schlimmes. Sie rechnet mit massiven Ausschreitungen.

Am Wochenende in Dortmund dabei sein wird auch die rechte Szene aus dem Münsterland. Davon ist der Staatsschutz jedenfalls überzeugt. Die Au­to­nomen Nationalisten - so nennen sich die lose in Ka­me­rad­schaften organisierten Neonazis - sind zwar auch in der Region aktiv, dort jedoch eher als versprengtes Häuflein.

Losgelöst von den politischen Altvordern, den parteilich organisierten Extremisten der NPD, die es vor allem im Kreis Steinfurt gab und gibt, „haben wir es im Münsterland eigentlich nur mit ei­ner kleineren Gruppe in Ahlen zu tun“, sagt der Chef der Kriminalinspektion Polizeilicher Staatsschutz, Paul Albers, in Münster.

Hinzu kommen noch ein oder zwei Aktivisten in Münster, die abgesehen davon, dass sie möglicherweise hinter einer tiefbraun gefärbten Website stehen, bislang nicht weiter in Erscheinung getreten sind, sowie ei­ne Truppe Autonomer Nationalisten in der Nachbarstadt Hamm, die vor allem durch Aufmärsche von sich reden gemacht hat.

Zehn bis 15 Mann stark sei die Ahlener Kameradschaft, beste­hend aus eher jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Vor Ort ist zu hören, dass sie mit Blick auf Jobs und soziales Prestige nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause sind. Dazu sagt der 43 Jahre alte Kriminalrat freilich nichts.

Fest steht: Die Polizei - sowohl die politische in Münster als auch die Kreispolizeibehörde in Warendorf - hat die Autonomen Nationalisten Ahlen (ANA) vielleicht nicht unbedingt im Vi­sier (da­zu sind sie augenscheinlich viel zu un­be­deu­tend), wohl aber im Blick. Und ist natürlich präsent, sobald sie auftreten.

Die Stadt Dortmund, so ist zu hören, rechnet am Samstag mit möglicherweise bis zu 10 000 Ge­gende­mons­tran­ten. Nicht alle von ihnen werden friedlich gesinnt sein. Für die Po­lizei gilt Alarmstufe Rot. Schließlich werden die Neonazis nicht nur durch die Stadt laufen, um ihrer politischen Weltsicht Ausdruck zu verleihen: Der Aufmarsch ist natürlich auch eine gezielte Provokation.

Unter dem Motto „Bunt statt Braun“ hat Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau gestern erneut zum entschlossenen Auftreten ge­­­gen die Extremisten aufgerufen und in diesem Zusammenhang auch Sitzblockaden für legitim erklärt. Ob er übermorgen selbst derart zivilen Ungehorsam leisten will, ließ er offen. Während der Pressekonferenz verteilten Rechtsextreme vor dem Rat­haus Flugblätter. So viel zum Thema Provokation ...

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