Schäferhund trotz Qualen menschenbezogen
Hardy kann nicht böse sein

Montag, 05.09.2011, 18:09 Uhr

Münster - Die Haut rings um die Schnauze war aufgescheuert und blutig, stark entzündet und eiterte. Der Maulkorb des Hundes war eingewachsen. Das Tier stank bestialisch, hatte Reste einer Eisenkette um den Hals, ein tiefes Loch von etwa fünf Zentimetern Durchmesser in der Brust und Verletzungen am linken Vorderlauf. Zudem war „Hardy“ stark abgemagert - aufgrund des festsitzenden Maulkorbs hatte er kaum fressen können.

Die Mitarbeiter eines Tierheims in Münster sind geschockt, wenn sie an ihre erste Begegnung mit dem Holländischen Schäferhund (Herder) denken. Dass der Hund überhaupt ins Tierheim kam, ist einer mutigen Frau zu verdanken:

Als sie am Freitag die Jalousien hochzog, schaute der entkräftete Hund durchs Schlafzimmerfenster. Die Nienbergerin sprach beruhigend auf den Hund ein und hielt ihn an den Resten der Metallkette fest. Dann rief sie die Polizei . Beamte verständigten die Stadt Münster, die schickte Mitarbeiter des Fuhrparks vorbei. Hardy kam ins Tierheim, von dort sofort zum Tierarzt. Der versorgte die Wunden, entfernte operativ den Maulkorb. Ohne Vollnarkose wären die Schmerzen für den Vierbeiner wohl unerträglich gewesen, sagt Doris Hoffe, Vorsitzende des Tierschutzvereins Münster.

Hardy war vermutlich zwei Wochen allein unterwegs. Zeugen wollen ihn an der B 54 in Steinfurt, in den münsterischen Stadtteilen Gievenbeck, Nienberge , Kinderhaus und Roxel und sogar in Nottuln gesehen haben. Vermutlich hat er sich irgendwo im Münsterland losgerissen, sich die Wunde in der Brust sogar selbst zugefügt, indem er in einen Ast gelaufen ist.

„Eigentlich müsste er als Hund mit den Menschen fertig sein“, mutmaßt Hoffe. „Doch Hardy hat Vertrauen, er ist nicht verhaltensgestört, schnappt nicht, ist freundlich und sehr menschenbezogen. Hardy ist ein toller Hund, sein Besitzer aber ist ein verrohter Mensch.“ Sollte der Halter gefunden werden, wird er sich verantworten müssen. Dabei sei Tierquälerei in Deutschland nicht einmal ein streng geahndetes Vergehen, bedauert Hoffe.

Vor knapp zwei Jahren etwa kam Jack-Russell-Mischling Ronja ins Tierheim. Die Hündin war von ihrem Besitzer zur Bestrafung an die Dusche angekettet und drangsaliert worden, hatte außerdem ihre Schnauze zugebunden. Der Halter wurde bereits im vergangenen Jahr verurteilt: Zu 80 Tagessätzen in Höhe von je zehn Euro und einem dreijährigen Hundehaltungsverbot.

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