Folgen der Erdgassuche von ExxonMobil
Wildwiese statt Bohrturm

Montag, 31.10.2011, 06:10 Uhr

Nordwalde - Am Anfang stand ein pinker Holzpflock . Damit hatte der Energieriese ExxonMobil die Stelle auf einem Acker markiert, unter dessen Erde er nach Erdgas suchen wollte. Doch Anwohner lösten von der Gemeinde Nordwalde aus einen bundesweiten Proteststurm aus. Aus der Suche nach neuen Erdgas-Quellen und dem erhofften Geschäft in der Energiewende ist für Unternehmen wie ExxonMobil ein Hindernislauf mit ungewissem Ausgang geworden.

Mathias Elshoff stellt sein Rad am Rand des 3000-Quadratmeter-Ackers ab, den ExxonMobil für seine Pläne gepachtet hat. Manchmal kann der 43-Jährige nicht fassen, was er vor einem Jahr mit seinem Aufbegehren lostrat. „Am Anfang war ich, dann waren Hunderte dagegen“, so der Bäckermeister.

Mittlerweile hat Elshoff Rückendeckung von Tausenden Bürgern in bundesweit 15 Initiativen, in NRW haben sich auch die Fraktionen von CDU , SPD und Grünen im Landtag gegen Fracking-Einsätze ausgesprochen. Dabei soll mit einem Wasser-Sand-Gemisch und Chemie-Zusätzen Erdgas aus dichten Gesteinsporen in Hunderten Metern Tiefe gelöst werden. Energie-Unternehmen haben sich in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens Flächen gesichert, um nach dem Rohstoff zu suchen. Bis im Sommer 2012 ein Gutachten der Landesregierung vorliegt, kann ExxonMobil allerdings nicht damit rechnen, eine Genehmigung von der zuständigen Bergbaubehörde in Arnsberg zu bekommen.

Bei mehr als zwei Millionen Euro teuren Probebohrungen will der Konzern in Nordwalde zunächst Gesteinsproben nehmen - um herauszufinden, ob sich ein Einsatz lohnt. Auch der Bund will ein Gutachten in Auftrag geben, das die Gefahren beleuchtet. Und das Umweltbundesamt fordert ein Frac-Verbot für Gebiete, in deren Nähe Trinkwasser gewonnen wird. Denn das ist die Befürchtung: dass Trinkwasser vergiftet wird.

Jörn Krüger ist ein ordentlich rasierter Mann mit glänzenden Lackschuhen. Als die Arbeit für die Initiative für Bäckermeister Elshoff zu viel wurde, nahm der 39-Jährige den Frac-Protest in die Hand. Bis zu 40 Stunden pro Woche verbringt der Software-Entwickler damit, spricht auf Infoveranstaltungen, trifft sich mit Fracking-Gegnern europaweit.

ExxonMobil hatte kürzlich angekündigt, weniger Chemikalien beim Frac-Verfahren verwenden zu wollen. Im April rief es einen Expertenkreis ins Leben, der neue Gefahren beleuchten soll. Trotz unzähliger Gesprächsrunden, Werbespots und Info-Abende beißt ExxonMobil bei vielen Bürgern immer noch auf Granit. Eins ist klar: Bei dem Gegenwind bekommt das Unternehmen in Nordwalde keinen Fuß, geschweige denn einen Bohrturm auf die Erde.

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