Film News
Nina Hoss glaubt nicht an das Schicksal

Donnerstag, 03.11.2011, 00:11 Uhr

Berlin - Im finnischen Sommer und im Berliner Winter hat Nina Hoss (36) ihren neuen Film gedreht. In der Liebesgeschichte «Fenster zum Sommer» bekommt eine junge Frau eine zweite Chance. Juliane (Hoss) wird durch einen Zeitsprung zurück in ihr altes Leben mit ihrem Ex-Freund zurückkatapultiert. Regisseur Hendrik Handloegten beobachtet sie nun dabei, wie sie mit der rätselhaften Situation umgeht und wie sie ihre Freunde Emily (Fritzi Haberlandt) vor einem Unglück bewahren will - dem Juliane in der ihr bereits bekannten Zukunft tatenlos zusehen musste. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erzählte Hoss, warum sie nicht an Schicksal glaubt und wie sie sich vom Stress am Theater und beim Film erholt. Wie soll man sich dem Film nähern? Wie haben Sie versucht, sich die zeitlichen und räumlichen Sprünge in der Geschichte zu erklären - dass Juliane im finnischen Sommer einschläft und im Berliner Winter aufwacht? Hoss: «Ich habe überhaupt nicht nach einem Grund gefragt. Es war mir gleich klar, dass diese Frage nicht weiterführt. Denn es gibt ja keine Antwort. Entweder ich mache dieses Gedankenexperiment oder ich kann mich eben nicht darauf einlassen.» Glauben Sie an Schicksal? Hoss: «Nicht wirklich. Wenn Schicksal heißt, dass ich das Gefühl habe, dass ein Gott mir etwas vorbestimmt hat und das dann auch eintreffen soll, egal, was ich tue - das fände ich etwas langweilig. Ich kann mit der Idee nicht so viel anfangen. Das Leben ist ja nicht so einfach. Man muss immer Entscheidungen treffen. Ich denke schon, dass man selbst verantwortlich dafür ist, was man mit seinem eigenen Leben vorhat. Ich bin keine gläubige Person in dem Sinne, dass ich an einen Gott glaube. Aber ich glaube schon, dass es etwas gibt, eine Kraft oder Energieform, die man nicht logisch erklären kann. Ich glaube an die Kraft des Geistes.» Wünschen Sie sich manchmal, dass man im Leben in bestimmten Situationen eine zweite Chance hat - dass man einen Tag oder eine Stunde in seinem Leben noch einmal neu leben könnte? Hoss: «Eigentlich nicht. Ich bin eher jemand, der nach vorne lebt. Ich bin viel zu neugierig, als dass ich zurück wollte. Wenn ich den Berg hoch laufe, will ich nicht den selben Weg zurückgehen. Das hat mich schon mal richtig in Schwierigkeiten gebracht.» Hat der Film ein Happy End? Hoss: «Ich fühle mich am Ende des Films hoffnungsfroh. Für mich ist es ein Film darüber, dass man sein Leben bewusst leben soll - dann kommt man zu einer anderen Ruhe, Gelassenheit und Kraft. Man hat Entscheidungen getroffen - und ob sie nun richtig oder falsch sind, sie geben deinen Lebensweg vor. Manches kann man vielleicht tatsächlich nicht ändern. Aber Juliane zum Beispiel hat dem Schicksal noch einen Abend mit ihrer Freundin Emily abgetrotzt. Der Tod gehört ja auch dazu. Juliane weiß, sie hat alles getan.» Sie drehen Filme, stehen auf der Theaterbühne - immer hoch konzentriert. Wie entspannen Sie sich? Hoss: «Ich kann wirklich gut und schnell runterkommen. Zum Glück, sonst könnte ich sicher gar nicht alles machen was ich so mache. Ich kann einfach nur sitzen, Tee trinken, nichts tun, denken und zu mir kommen. Gut entspannen kann ich mich auch, wenn ich Freunde treffe. Ich rede dann übrigens überhaupt nicht gerne, sondern höre lieber zu.» Was empfinden Sie, wenn Sie sich selbst auf der Leinwand sehen? Hoss: «Es kommt immer auf die eigene Tagesverfassung an - manchmal finde ich es schwierig. Aber eigentlich komme ich damit ganz gut zurecht. Man ist es auch langsam gewöhnt, sich selbst zu sehen.» Interview: Elke Vogel, dpa

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